Zur gleichen Zeit eröffnete die türkische Fluggesellschaft am Bahnhofplatz in Zürich ihr erstes Stadtbüro. Kurze Zeit später zog TK an die Talstrasse. Damals galt diese als DIE Adresse für eine Airline, die etwas auf sich hielt gegen 20 Fluggesellschaften waren in den besten Jahren zwischen dem Paradeplatz und der Sihlporte domiziliert. Heute, 40 Jahre später, ist die Turkish Airlines praktisch als «letzter Mohikaner» immer noch in den gleichen Räumlichkeiten einquartiert.
Von einem Auszug in nächster Zukunft kann keine Rede sein. «Uns gefällt es mitten in Zürich», erklärt Ali Riza Mortas, TK-Direktor für die Schweiz, und fährt fort: «Wir sehen daher keinen Grund, von hier auszuziehen.»
34 Jahre vor dem Erstflug nach Zürich wurde die Turkish Airlines in Ankara unter dem Namen «Verwaltung Staatliche Fluggesellschaft» als eine Abteilung des Verteidigungsministeriums gegründet. Die Flotte bestand damals aus einer fünfplätzigen King Bird, zwei vierplätzigen Junkers F-13 sowie einer ATH-9 mit zehn Sitzen. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen die ersten DC-3-Maschinen zur Flotte und 1947 flog TK zum ersten Mal ins Ausland von Ankara via Istanbul nach Athen.
Im März 1956 wurde die TK neu organisiert und trägt seither den noch heute offiziellen Namen Turkish Airlines. Mit dem DC-9-Erstflug nach Zürich wurde auch das Jet-Zeitalter eingeläutet. In den 70er Jahren kamen dann noch die ersten Boeings (707 und 727) zur Flotte. 1985 wurde die TK-Flotte durch den Airbus 310 erweitert. Ein Jahr später flog TK zum ersten Mal nach Singapur und eröffnete sich so den Fernost-Markt. 1988 kam die New-York-Route via Brüssel dazu. Zwei Jahre später wurde die TK in den türkischen Privatisierungsprozess mit eingeschlossen.
Die starke Expansion in den 90er Jahren bedurfte mehrerer Kapitalerhöhungen, die Flotte wurde kontinuierlich erweitert und erneuert sowie das Streckennetz strategisch ausgebaut. Der Direktflug nach New York kam dazu, mit Japan Airlines wurde auf der IstanbulOsaka-Route ein Block-Space-Abkommen vereinbart und 1998 trat TK der Qualiflyer Group bei.
Im August gleichen Jahres wurde mit der ehemaligen Swissair für die Flüge Istanbul nach Zürich, Genf und Basel und von Izmir nach Zürich ein Block-Space-Abkommen unterzeichnet. Kurz darauf wurde auch das neue Vielfliegerprogramm «Miles&Smiles» eingeführt. Im neuen Jahrtausend modernisierte sich die TK weiter: 2001 wurde das Callcenter für Reservierungen und 2003 das elektronische Ticketing-System eingeführt sowie im September 2004 der Kundendienst auf der TK-Webseite aufgeschaltet.
Das Jahr 2006 war eines der bisher erfolgreichsten Jahre in der Geschichte der Turkish Airlines: im Dezember die Aufnahme in die Star Alliance und übers ganze Jahr fast 17 Millionen transportierte Passagiere, was einer Steigerung von 19,4% gegenüber 2005 entspricht. Die Sitzplatz-Auslastung ging in dieser Zeit zwar etwas zurück (von 71,6% auf 68,7%), was aber auf die Aufstockung der Flotte von 83 auf 103 Maschinen zurückzuführen war.
Mit weltweit fast 13000 Mitarbeitern erzielte TK letztes Jahr einen Ertrag von 2,8 Milliarden US$ (ca. 3,5 Mia. CHF) und einen Ebitdar von 460 Millionen US$ (ca. 570 Mio. CHF), was einer Gewinnmarge von 16% entspricht. Damit wirtschaftete die TK fast gleich gut wie die Easyjet (17%). Überraschend mag für viele sein, dass über 80% des Ertrages aus dem Passagierverkehr generiert wird und nur knapp 10% aus der Fracht.
TK-Chef Mortas verhehlt nicht, dass auch die Passagiere aus der Schweiz zu diesem guten Resultat beigetragen haben. In den ersten drei Monaten dieses Jahres konnte weltweit das Passagieraufkommen nochmals um über 24% gegenüber der gleichen Periode des Vorjahres gesteigert werden. «Wir haben eine sehr treue Kundschaft», erklärt er. Geschäftsreisen und der ethnische Verkehr machen in der Schweiz den grössten Anteil des Umsatzes aus. «So sind wir weniger dem immer wieder schwankenden Urlaubsgeschäft ausgeliefert», erläutert Mortas weiter.
Guido Casanova



