Über die technischen Dimensionen und die Auslieferungsverspätungen des neuen Riesenvogels der Lüfte, den Airbus A380, wurde mehr als genug berichtet. Nachdem am 25. Oktober der erste Megaflieger mit Passagieren, die ihr Ticket ersteigert hatten, von Singapur Richtung Sydney abgehoben hatte und am 28. Oktober der offizielle Start für den täglichen Liniendienst zwischen Singapur und der australischen Metropole erfolgte, drängt sich ein Blick auf das Innenleben, sprich das Inflight-Produkt, auf.
Bis zur offiziellen Lancierung wurde darüber gerätselt, wie sich die Kabine des A380 von Singapore Airlines (SQ) bekannt für ihre Vorreiterrolle, wenn es um neue Ausstattungskonzepte geht wohl präsentieren würde. Das Resultat lässt sich sehen, grosse Überraschungen bleiben aber aus, denn von den im Vorfeld durch die Airbus-Werke aufgezeigten Möglichkeiten wie Dusche, Bar/Lounge, Fitnesscenter oder gar Shopping-Arkade und den dadurch geweckten Erwartungen ist wenig geblieben. Verständlich, denn ökonomisch hätte dies kaum Sinn gemacht.
Der A380 von Singapore Airlines verfügt über insgesamt 471 Sitze in drei Klassen: Economy, Business und die neue Singapore Airlines Suites (ersetzt die frühere First Class). Prunkstück sind die Suites auf dem Hauptdeck, «eine neue Dimension jenseits der First Class», wie es in der SQ-Werbung heisst. Luxus und Privatsphäre zeichnen die insgesamt 12 Suiten (8 Einzel- und 2 Doppelkabinen) aus, die dem Fluggast durch eine Schiebetüre einen exklusiven Privatrahmen mit einzigartiger Einrichtung bieten. Die Sitze sind aus feinstem Leder gefertigt und können per Fernbedienung in unterschiedlichste Sitz- und Liegepositionen gebracht werden. Für einen geruhsamen Schlaf sorgt das flache Bett mit Matratze, Federduvet und Kissen. Für reisende Paare können die Betten in der mittleren Reihe optional in ein Doppelbett verwandelt werden.
Die Suite kann dank einem grosszügigen und verstellbaren Tisch auch als Büro genutzt werden. Stromnetz für Laptop und USB-Anschluss mit Zugriff auf Officeanwendungen gehören ebenfalls zum Angebot, wie auch das bekannte Unterhaltungssystem Kris World, das noch ausgebaut wurde und auf Flachbildschirm (58 cm Diagonale) projiziert wird. Für guten Klang sorgt ein Bose-Kopfhörer. Aus einer vielfältigen Karte kann der Gast sein Menü zusammenstellen und wählen, wann er gerne essen möchte. Eine Auswahl an Spezialitäten aus dem Keller rundet das kulinarische Angebot ab. Der Tarif für die Suite für den Sektor Singapur-Sydney liegt rund 25% über dem bisherigen First-Class-Preis, ein First-Class-Ticket EuropaSydney kostet rund 16% mehr, wenn ab Singapur mit dem A380 geflogen wird.
Für die Business Class mit 60 Plätzen auf dem Oberdeck wurde der neue Sitz, der letztes Jahr für die B-777-300ER-Flotte gestaltet wurde, übernommen und die Sitzbreite um 10 cm auf 86 cm erweitert. Der Sitz kann in ein komfortables, vollständig flaches Bett verwandelt werden. Zur Ausstattung gehören eine seitlich abklappbare Kopfstütze für mehr Privatsphäre, ein LCD-Bildschirm (39 cm), USB-Anschluss, Steckdose, verstellbarer Tisch sowie Stauraum für Handgepäck. Für die Business-Class-Gäste gibt es eine Aufenthaltszone, um sich zu bewegen und sich nebst den üblichen Essenszeiten mit Snacks und Getränken zu versorgen.
Die Economy Class mit ihren 399 Plätzen ist auf beide Decks verteilt. Der neue Sitz ermöglicht einen grösseren Komfort durch das verbesserte Design und die Verwendung leichterer Materialien. Vor allem bietet er mehr Bein- und Kniefreiraum. Jeder Sitz verfügt über einen eigenen Bildschirm
(27 cm), USB-Anschluss, Steckdose, Leselampe, Stauraum, Kleiderhaken sowie eine Fussstütze.
Der ganze Kabinenraum des A380 wirkt geräumiger, spezielle Lichtinstallationen sorgen in den Suites und der Business Class für zusätzliches Wohlbefinden und Entspannung.
SQ hatte im September 2000 eine feste Bestellung von zehn A380 und eine Option auf weitere 15 Maschinen bekannt gegeben. Im Juli 2006 wurde die Festbestellung auf 19 Maschinen erhöht. Mit der Auslieferung des zweiten A380 im ersten Quartal 2008 wird einer der drei täglichen Flüge nach London Heathrow mit dem A380 durchgeführtी
Urs Hirt
