Der jüngste Börsencrash dürfte sich auch auf die weltweite
Airline-Industrie auswirken. Bereits Ende 2007 mehrten sich die Stimmen
aus den USA, welche voraussagten, dass die Hypothekenkrise auch das
Airline-Business nicht verschonen werde. Zwar sind die Auftragsbücher
von Boeing und Airbus so prall gefüllt wie noch nie. Wie man aber aus
der Vergangenheit weiss, werden Bestellungen nur zu oft hinausgeschoben
oder gar annulliert, wenn sich bei einer
Airline ein Nachfragerückgang einstellt. Deshalb ist die Frage durchaus
berechtigt, ob die derzeitigen Rekordbestellungen auch wirklich so wie
angekündigt ausgeliefert werden.
Die US-Airline-Industrie leidet derzeit doppelt: Einerseits ist der
US-Dollar schwach, andererseits haben die Ölpreise ein Rekordniveau
erreicht. Der Ölpreis drückt zwar auch stark auf die Erträge der
europäischen Fluggesellschaften, doch immerhin profitieren diese vom
schwachen Dollar, da die meisten Flugbetriebskosten nach wie vor in
US-Dollar abgerechnet werden. Auch wenn der Peak der Kerosinkosten
überschritten scheint, dürfte eine anhaltende Konjunkturkrise auch in
der Airline-Industrie tiefer schürfende Wunden hinterlassen.
Dass Delta und Northwest derzeit laut über eine Fusion nachdenken,
erstaunt auch nicht. Nach wie vor herrscht in der US-Airline-Branche
Überkapazität. Zudem ergänzen sich die Streckennetze der beiden
US-Carriers, und beide fliegen heute bereits in derselben Allianz, dem
Skyteam. Die beiden Airlines haben bereits gute
Zusammenarbeits-Erfahrungen gemacht. Mit der Fusion von Delta und
Northwest entstünde die grösste US-Airline und somit auch eine der
weltweit bedeutendsten Fluggesellschaften. Doch bis dahin sind noch
einige Probleme zu lösen, sei es mit den Gewerkschaften, dem Hauptsitz
(Atlanta oder Minneapolis?) oder der Politik.
Denn jede Fusion schränkt den Wettbewerb ein und stärkt die
Monopolbildung. Die Ticketpreise werden also weiter steigen, nicht nur
des teuren Treibstoffes wegen. Doch das Mobilitätsbedürfnis ist nach
wie vor sehr gross. Deshalb dürfte der Flugverkehr weltweit trotzdem
weiter wachsen.
