Jetzt bereiten die «unverschämt deutschen Preise» auch den Mietwagenfirmen in der Schweiz Kopfzerbrechen. Was vor zwei Jahren mit einem Slogan von TUI Suisse begann, ist bei den Schweizer Reiseveranstaltern längst zum Alltag geworden. Jetzt schwappt diese Welle auch auf den hart umkämpften Mietwagen-Markt über. Nicht dass die lokalen Lizenznehmer wie Avis, Europcar, Hertz und alle anderen hier in der Schweiz die Preise senken müssten nein, das Problem liegt im Outgoing-Geschäft.
Mit den beiden Mietwagen-Brokern Holiday Autos und Sunny Cars aus Deutschland konnten (oder mussten) die Schweizer Mietwagenfirmen noch einigermassen leben. Bisher war es so, dass für Auslandreservationen die TO-Preise auf dem Schweiz-Markt unter Berücksichtigung der hiesigen Kaufkraft ausgehandelt wurden. Die verschiedenen TOs und Brokers haben dann ihre Marge selbst bestimmt; das heisst, wollte zum Beispiel Kuoni Carshop wegen seiner Tiefstpreisgarantie einen Preis «matchen», verzichtete er eben auf einen Teil seiner Marge.
Doch jetzt sind mit DriveFTI und Flex Travel zwei Schweizer Player mit deutschen Preisen und Konditionen auf den Markt gekommen. Mit über 200000 vermittelten Mietwagen pro Jahr gehört die deutsche FTI-Gruppe gemäss eigenen Aussagen zu den führenden Vermittlern im deutschsprachigen Raum. Wie gross das Volumen aus der Schweiz ist, wollte FTI Schweiz-Chef Walter Binggeli nicht bekanntgeben. Auch nicht, wie gross der Anteil von Flex Travel-Buchungen ist. Denn die TUI Suisse-Tochter bezieht ihr ganzes Europa-Angebot von DriveFTI und profitiert von den gleichen Preisen und Konditionen. Dieses Abkommen betreffe aber nur den Markt Schweiz in Deutschland gäbe es keine Kooperation zwischen FTI und TUI, bekräftigt Andreas Gantenbein (Head of Flights/Wheels bei Flex Travel).
Während die FTI/Flex-Mitbewerber Kuoni und Hotelplan diesem Preiskrieg gegen aussen relativ ruhig entgegentreten und ihre Preise und Konditionen (auf Kosten der Margen?) dem Konkurrenten anpassen, sieht die Lage bei den Schweizer Lizenznehmern dramatischer aus. Dass die Mietwagenfirmen direkte Konkurrenz aus den eigenen Reihen in Deutschland notabene mit deren für die Kunden attraktiven Konditionen bekommen, bringt sie nicht nur in Erklärungsnotstand. Bei Avis scheint die Situation so brisant, dass die ganze Angelegenheit nach London delegiert und zur Konzernsache erklärt wurde.



