Charter: Kampf in der Luft – und am Boden (Ausgabe 2007-47)

Jean-Claude Raemy zu neuen Schlachten am Schweizer Flughimmel

Im Gegensatz zum letzten Sommer ist das Angebot an Mittelstrecken-Chartern ex Schweiz in Bezug auf Destinationen, Flugtage und Rotationen deutlich gestiegen. Wobei der Vergleich hinkt: Die enorme Anzahl Flüge, welche Air Berlin/Belair im Markt platziert, sind ja keine Charterangebote im engeren Sinn.

Das Pooling-System von Air Berlin erlaubt es Veranstaltern, Risikoplätze nach festgelegtem Verfahren zurückzugeben. Die Airline kann diese Plätze frei verkaufen, oder andere TOs können bei Bedarf flexibel auf diese übrig gebliebenen Plätze zurückgreifen. Wesentlich ist dabei nicht nur die Risikoreduktion für Hotelplan, logischerweise Hauptpartner von Air Berlin/Belair. Dieses Modell lässt andere «Charterplayer» besser (oder neu) zum Zug kommen.

Stefan Gutknecht (Air Berlin) erwartet denn auch ein Marktwachstum, weil der Chartermarkt flexibler geworden ist und die Kapazität auf mehr Veranstalter verteilt wird. Kommt hinzu, dass auch Edelweiss inzwischen Flugplätze in Eigenregie verkaufen kann und dass auch Airlines wie Easyjet vermehrt im Ferienflugbereich mitmischen.

Marktwachstum ist also nicht nur erwünscht, es ist notwendig. Die allgemeine Flugkapazität im Sommer 2008 ist riesig, die Konkurrenzlage nach den Schmusejahren zwischen Edelweiss und Belair wieder scharf. Wer das Risiko trägt, ist sekundär: Am Ende müssen die Flugzeuge gefüllt sein, oder der Anbietermarkt leidet.

Einen Teil des Wachstums steuern deutsche Urlauber bei, welche mit Air Berlin von den «AB-Hubs» Zürich und Basel profitieren werden. Aber auch Schweizer dürfen sich freuen: Sie können für viele Ferienziele flexibler planen – und da, wo sich Edelweiss und Air Berlin (und eventuell weitere) konkurrenzieren, also vorwiegend bei klassischen Badeferienzielen ex Zürich, wohl zu sehr günstigem Preis fliegen.

Man darf also gespannt sein auf die Kataloge der Hauptveranstalter im Low-Cost-Badeferiengeschäft, welche in den kommenden Wochen erscheinen. Denn der Kampf in der Luft ist letztlich auch ein Kampf am Boden, zwischen Helvetic Tours und M-travel sowie weiteren Playern, die ein Stück vom Kuchen haben wollen, und denen, die grossen Kapazitäten wie gelegen kommen. So gesehen zeichnet sich im Sommer 2008 wohl die Zukunft des Schweizer Pauschalreisemarktes ab.