Jetzt geht’s los! (Ausgabe 2008-02)

Angelo Heuberger über das Erdbeben bei Hotelplan

Kuoni bedrängt TUI Suisse – Hotelplan bedrängt Kuoni. Die Erfolge von
TUI Suisse provozierten, nun schlagen die beiden Schweizer
Reise-Giganten – aus der Not heraus – zurück. Bei Hotelplan Schweiz hat
neu das frühere Kuoni-Führungsteam das Sagen. Thomas Stirnimann steigt
auf an die Spitze und holt sich mit Roberto Luna und Walter Brüllhardt
altbewährte einstige Mitstreiter ins Boot. Mit Vertriebschef Daniel
Reinhart, Travelhouse-Leiter Rolf Bühler, Passepartout-Chef Marcel
Herter und IT-Chef Heini Kalt befehligt Stirnimann bereits heute einige
ihm von Kuoni her bekannte Manager.

Verlierer bei Hotelplan ist noch der letzte übrig gebliebene Haudegen
aus der «alten» HP-Riege, der den dynamischen Kuoni-Jungs weichen muss:
Peter Spring, dem sowohl fachlich wie auch menschlich eine hohe
Kompetenz zugesprochen wird, ist an den dürftigen Resultaten
gescheitert. Der HP-Umbau auf «Kuoni-Methoden» ist vielleicht nötig,
aber nicht ganz ohne Risiken. Ob Spring weiterhin eine ernst zu
nehmende Rolle als Integrationsfigur bei Hotelplan spielen kann und
will, sei dahingestellt.

Bei TUI Suisse dürfte man sich ob der Reaktionen der Konkurrenz die
Augen reiben. Die Crew um Martin Wittwer kann sich zwar nicht
zurücklehnen, jedoch der Dinge mit Gelassenheit entgegenblicken.
Weniger Freude dürfte der HP-Umbau im Hause Kuoni bereiten. Praktisch
die ganze ehemalige Kuoni-Spitze ist nun beim Mitbewerber, der noch bis
zum letzten Jahr als der Benchmark-Gegner schlechthin im Fokus stand.
Dass Hotelplan nun mit den ehemaligen Kuoni-Leuten Mitbewerber Kuoni
ausgerechnet mit den eigenen «Waffen» bedrängen kann, dürfte an der
Neuen Hard wenig Begeisterung auslösen, aber mit Gewissheit neue Ängste
oder zumindest Unsicherheit schüren.

Allein mit den neuen (Kuoni)-Namen ist bei Hotelplan noch kein Krieg
gewonnen. Thomas Stirnimann steht ein Riesenberg an Arbeit bevor.
Seinen Job bei Travelhouse hat er noch keineswegs abgeschlossen, und
jetzt folgt bereits eine ungleich höhere Nominierung. Ob dies der
Schlagkräftigkeit von Hotelplan Schweiz bereits in dieser Saison
förderlich ist, bleibt fraglich. Es scheint indes, dass sich Migros
stärker zu seinem Reiseunternehmen bekennt, vielleicht auch weil Rivale
Coop mit ITS-Rewe-Reisen in der Schweiz markant wachsen will. Seitens
Migros dürfte künftig noch mehr zu erwarten sein, denn der
Grossverteiler-Leader könnte signifikante Synergien schaffen. Migros
hat zwei Millionen Mitglieder und 80000
Mitarbeitende.    Bericht Seite 1