Bei Swiss bewegt sich derzeit einiges. Gestern gingen erstmals One-Way-Tarife ab Zürich in Verkauf. Seit vorgestern sind Sitzplatzreservationen gegen Bezahlung verfügbar. Und bereits wird über weitere «Ancillary Services» (bei Swiss heissen diese «Swiss Choice Services») nachgedacht.
Im Rahmen ihrer «New Commercial Stra-tegy» kämpft Swiss an vielen Fronten. Zunächst mit verändertem Kundenverhalten: Heutige Passagiere sind anspruchsvoll, preissensibel und verlangen diversifizierte Produkte. Die zunehmende Segmentierung des Airline-Produkts schafft aber auch eine «Bringschuld» der Airlines. Dass nicht jeder Kunde das Angebot kennt bzw. versteht und der Vertrieb über die Komplexität ächzt, wird hingenommen. Das Airline-Business entwickelt sich in diese Richtung und Swiss kann nicht aussen vor bleiben.
Swiss kämpft auch gegen mächtige Konkurrenten. Dass man für die Bedienung des Einzugsgebiets Lugano künftig nicht mehr im Wet-Lease mit der Tochter eines Konkurrenten, sondern mit der Tochter eines Lufthansa-Group-Mitglieds kooperiert, liegt auf der Hand. Denn das Kerngebiet Zentraleuropa ist bedrängt: Mitbewerber kaufen sich in Europa bei anderen Airlines ein und gestalten so den europäischen Flugmarkt mit. Ferner werden enorme Kapazitäten geschaffen, welche der europäische Flugmarkt per se kaum hergibt. Trotzdem gibt es in Europa weiterhin um die 200 Airlines, dazu legen sich die europäischen Staaten in Sachen «Single European Sky» Steine in den Weg. In grossen und stark konsolidierten Flugmärkten wie Nordamerika, China oder die Golfregion ist die Lage ganz anders. Darüber hinaus kämpft Swiss noch mit dem starken Franken.
Was heisst das in der Summe? Zum einen werden die Partnerschaften innerhalb der Lufthansa Group enger. Für die erfolgreiche Einführung neuer Produkte (C-Series! B777! Ancillaries! Leisure-Ziele!) wird Swiss aber auch weiterhin auf die TOs und Reisebüros angewiesen sein. Eine Entspannung dieses Verhältnisses käme gewiss allen Involvierten zugute.
Jean-Claude Raemy
