Als Hotelplan Suisse im Mai und Juni mit einer Schnäppchen-Welle den Markt flutete zum Beispiel eine Woche Kos ab CHF 295 , musste man sich schon fragen, ob die Charterplanung des Veranstalters nicht zu riskant gewesen war. Die Antwort liegt vor: Hotelplan hat sich einen neuen Airline-Partner gesucht, der auch kleinere Flugzeuge zur Verfügung stellt. Mit dem dynamischen Touroperating und der damit verbundenen Linienflug-anbindung, die im Pauschalreisemarkt immer weiter um sich greift, ist das Vollchartern einer B737 auch für den zweitgrössten Schweizer TO zu gross geworden.
Vor allem hat man einen Airline-Partner gesucht, mit dem man aus dem Vollen schöpfen kann. Mit Travel Service war dies nicht der Fall: Für Flüge ausserhalb der EU fehlte das AOC, was dann zum Problem wird, sobald eine Schweizer Airline ihr Veto einlegt. Und das haben Swiss und Edelweiss Air letztes Jahr gemacht.
Mit dem neuen Konstrukt wäre kein Veto mehr möglich. Ähnlich wie bei Air Berlin und Belair wird eine deutsche Airline einen Schweiz-Ableger mit dem entsprechenden Betriebszertifikat betreiben. Hotelplan schlägt Edelweiss Air damit erneut ein Schnippchen. Anders als bei Bel-air wird die Schweizer Marke hier aber auch auf den Flugzeugen sichtbar sein. Das ist gerade bei Ferienflügen nicht zu unterschätzen: Die eher konservativ buchenden Familien achten durchaus auf den Swissness-Faktor. Auch wenn es am Produkt Travel Service qualitativ nichts zu rütteln gab, dürfte ein Schweizerkreuz auf der Heckflosse für mehr Vertrauen sorgen.
Dies gilt auch im Vergleich zu den vielen «exotischen» Airlines wie Air Cairo oder Nouvelair, mit denen Hotelplan in den letzten Jahren zusammengearbeitet hat. Aber: Mit der Wahl dieser Airlines genoss der Veranstalter eine Flexibilität, die er in Zukunft nicht mehr in diesem Umfang haben wird. Sich im schnelllebigen Warmwasser-Massengeschäft längerfristig zu binden, kann auch riskant sein.
Stefan Jäggi
