Fachkräftemangel in der Reisebranche (Ausgabe 2014-35)

Wehklagen war nie ein Rezept

Der Mangel an qualifizierten Fachkräften ist eine Tatsache, nicht nur in der Reisebranche. Schweizweit über alle Branchen hinweg werden ausgewiesene, gut geschulte Mitarbeitende gesucht. Doch Wehklagen ist ein schlechter Ratgeber und löst keine Probleme.

Die Gründe für den Mangel sind vielschichtig, ein Patentrezept hat niemand. Am Nachwuchs – zumindest in der Reisebranche – kann es nicht liegen. Fast alle Lehrstellen konnten auch in diesem Jahr wieder besetzt werden; die Branche hat ihre Anziehungskraft nicht verloren. Die Herausforderung liegt darin, die Jungen nach der Lehre in der Branche zu halten, zu fördern und mit Aus-/Weiterbildungsangeboten zu unterstützen.

Dazu gehört aber auch, dass junge Berufsleute andere Branchen kennenlernen wollen und ihre Berufsplanung flexibler angehen als früher. Die Zeiten von «Lebensjobs» sind vorbei. Erfreulich hingegen die Zahl der Rückkehrer, was kaum an den finanziellen Möglichkeiten liegt, die unsere Branche bieten kann.

Die Reisebranche sollte ihre Trümpfe also konsequent ausspielen: Sie ist sexy, bietet Abwechslung, Kundenkontakt, die Möglichkeit, fremde Länder kennenzulernen, sowie schnelle Aufstiegschancen, wenn auch nur beschränkte, da Top-Jobs dünn gesät sind. 

Parallel dazu muss die Ausbildung stets hinterfragt und den sich wechselnden Rahmenbedingungen und gesellschaftlichen Entwicklungen angepasst werden. Ergänzt durch neue Arbeitsmodelle und tiefere Einstiegshürden für Quereinsteiger und Rückkehrer kann dem Mangel an Fachkräften entgegengewirkt werden.

Die Reisebranche braucht vor allem weltoffene, kommunikative Verkaufstalente – nicht unbedingt akademisch ausgebildete Topleute. Die Unternehmen sind gut beraten, ihre Anforderungsprofile immer wieder zu überdenken.

Urs Hirt