Helvetic Airways plant mit Embraer-Maschinen (Ausgabe 2014-36)

Das Grundrauschen geht vorerst weiter

Es ist für Helvetic Airways nicht einfach, ihre Zukunft zu planen, oder konkreter gesagt: ihre Flottenerneuerung zu planen. Die Swiss spielt eine grosse Rolle im Geschäftsmodell – die ACMI-Vereinbarung ist eines von drei Standbeinen von Helvetic Airways, das Linien- und das Chartergeschäft sind die zwei weiteren. Vier von sieben Helvetic-Maschinen sind zurzeit für die Swiss im Einsatz. Financier Martin Ebner umschrieb die Zusammenarbeit mit Swiss vor Jahren einmal treffenderweise mit dem Begriff «Grundrauschen».

Die Planung ist deswegen nicht einfach, weil dieses Grundrauschen langfristig alles andere als gesichert ist. Denn die Swiss hat mehr neue C-Series-Maschinen bestellt, als sie alte Jumbolinos zu ersetzen hat. Ob sie die Hilfe von Helvetic Airways dann noch benötigt, ist fraglich. Anders herum hat auch die Swiss ein Problem bei der Umflottung: Einige Jumbolinos müssen früher ersetzt werden, als die neue C-Series geliefert werden.

Genau aus diesem Grund wurde das Projekt bei Helvetic Airways nun beschleunigt. Die Lösung ist ideal: Helvetic kauft vier Embraer 190 und verleast sie an Swiss. Damit erhält Swiss eine Übergangslösung, und für Helvetic Airways ist es der Beginn ihrer Langfristlösung. Dass diese aus Embraer-Maschinen bestehen dürfte, hatte sich bereits abgezeichnet. Die Airline hatte schon vor ein paar Monaten angetönt, dass Embraer im angestrebten Segment (100 Plätze) die wirtschaftlichste Lösung bieten könne. Im vergangenen Sommer wurde zudem «probehalber» eine Embraer dazugeleast, allerdings die grössere Version mit 118 Plätzen. Mit dem Entscheid zugunsten Embraer ist Helvetic Airways auch flexibler, was die Maschinengrösse angeht. Dies war bei Fokker nicht der Fall. 

So passend die Lösung für den Moment auch ist – wie lange die Liaison zwischen Helvetic Airways und Swiss weitergeht, ist trotzdem unklar. Sobald die Embraer da sind, werden acht von elf Helvetic-Maschinen für die Swiss fliegen. Der ACMI-Vertrag läuft bis 2017; bis dann will Helvetic Airways ihre Fokker 100 sowieso ausgemustert haben. Gut möglich, dass die Swiss bis dann auch die Embraer-Maschinen wieder zurückgibt. Helvetic Airways tut also gut daran, ihre Flottenerneuerung so zu planen, dass sie auch ohne Verträge mit der Swiss funktionieren kann – vielleicht mit einem neuen Wet-Lease-Partner? Zumindest für die nächsten zwei Jahre ertönt das Grundrauschen aber weiterhin.

Stefan Jäggi