«Auch First- und Business-Tarife geraten unter Druck» (Ausgabe 2014-38)

Die Tarifstrukturen der Airlines sind stets in Bewegung. Das macht die Arbeit der Ticketbroker und Reisebüros immer anspruchsvoller.

Herr Zinniker, wie hat sich das Ticketbroker-Geschäft durch stets ändernde Tarifstrukturen der Airlines entwickelt und verändert?

Für Broker und Reisebüros ist es anspruchsvoller geworden. Die Tarifstrukturen sind seit längerer Zeit immer wieder im Umbruch. Der Anteil des Basis-Tarifs wird tendenziell kleiner bzw. der Anteil des Treibstoffzuschlags und zusätzlich buchbarer Services grösser. Diese Veränderungen werden uns weiterhin beschäftigen. 

Swiss hat die Economy-Tarife in die USA tendenziell stetig erhöht, jetzt zieht Lufthansa nach. Erkennen Sie im Markt eine generelle Trendwende zu höheren Preisen? 

Auf Strecken nach Nordamerika kam es zu einer Tariferhöhung. Die Tarife werden für diese Strecken innerhalb des Nordatlantik-Joint-Venture (LX/LH/UA/AC/SN/OS) gemeinsam angepasst. Von einer generellen Trendwende kann nicht gesprochen werden, da es regionale Unterschiede gibt. Auf Strecken nach Asien zeigt der Trend tendenziell sinkende Tarif-Levels. Dies ist unter anderem auf zunehmende Konkurrenz auf den wichtigen Strecken zurückzuführen. Das Comeback von Cathay Pacific in Zürich wird dies wohl auch nicht ändern.

Wie beurteilen Sie die flächen-deckende Einführung von One-Way-Tarifen auf Europa-Flügen durch die Swiss? 

Swiss folgt einem Trend und einem Bedürfnis der Reisenden. One-Way-Tarife waren verhältnismässig teuer und wurden von Kunden nicht bevorzugt.

Derzeit überschwemmen die Airlines den Markt mit Spezialaktionen, insbesondere Richtung Asien und auch für die First Class. Ist das rein saisonal oder steckt mehr dahinter? 

Bisher war das eine saisonale Gegebenheit. Davon kann man jetzt aber nicht mehr sprechen. Durch die stark erhöhten Kapazitäten in Richtung Asien geraten nun auch die Tarife in der Business- und First Class verstärkt unter Druck. Die Kunden sind auch in diesem Segment zunehmend preissensitiv, da die Produkte qualitativ vergleichbar sind.

In welche Richtung werden sich die Tarife Ihrer Meinung nach in Zukunft entwickeln?

Das «Unbundling» ist weiter im Trend. Damit sind tiefe Tarif-Levels gemeint, die etwa Gepäck oder eine Sitzplatz-Reservation ausschliessen. Die Tarife für Business- und First Class werden weiterhin attraktiv bleiben. Dabei ist zum Beispiel auf den Strecken nach Asien und Afrika mit Specials zu rechnen. Längerfristig werden die Economy-Tarife noch stärker «entbündelt» und beinhalten verschiedene Leistungen je nach Tarif-Niveau, zum Beispiel inkl. oder exkl. Essen, Sitzplatz, Fast-Lane und vielen weiteren Ancillary Services. Ein Vergleich der Tarife zwischen den Airlines ist daher für Reisebüros und Kunden anspruchsvoll.

UH