SRV-Studie zu den Reisebüro-Eckdaten (Ausgabe 2014-38)

ROPO-Chancen für das gute Reisebüro

Seit Jahren wird da und dort vom Ende des stationären Reisebüros gesprochen. Tatsächlich ist die Entwicklung der Verkaufspunkte über die Jahre betrachtet verheerend. Zur Jahrtausendwende – also vor dem flächendeckenden Durchbruch des E-Commerce – ging man noch von 2309 sogenannten A-Reisebüros (mit Kundengeldabsicherung) und 576 B-Reisebüros aus. Zu diesen insgesamt 2885 Büros gesellten sich damals noch über 800 Bahnhöfe sowie Tauch- und Surfshops, was das Total der Salespoints von touristischen Leistungen in der Schweiz auf 3706 hinaufschraubte! Heute präsentieren sich diese Zahlen wie folgt: A-Reisebüros 1166, B-Reisebüros 463, somit ein Total von genau 1629 Salespoints. 

Die Gründe für diese Marktbereinigung wurden in dieser Zeitung längst schon in allen Facetten ausdiskutiert – inzwischen hat man aber auch konstatiert, dass das «Aus» nicht so locker herbeigeredet werden kann. Natürlich: Ob die Talsohle des «Lädelisterbens» in der Reisebranche nun tatsächlich schon erreicht ist oder noch nicht, kann derzeit niemand mit letzter Sicherheit sagen. Doch es gibt Anzeichen, dass dem durchaus so sein könnte. 

Den Strukturwandel überlebt haben in erster Linie professionelle Betriebe, deren wirtschaftliche Situation sich in den letzten Jahren nicht verschlechtert hat – im Gegenteil: Wie die neuste SRV-Studie zeigt, bewegte sich der durchschnittlich erwirtschaftete Umsatz über die letzten fünf Jahre stabil in einem Korridor ohne grosse Schwankungen. Und: Die durchschnittliche Nettorendite befindet sich nach einem katastrophalen Tiefflug zwischen 2006 und 2009 von über 3% auf unter 1% seit 2010 wieder ständig auf leichtem Wachstumskurs. Dass dabei die Bedeutung des Beratungshonorars zunimmt, ist wichtig und richtig: Am «Mut», sein Know-how nicht länger einfach zu verschenken, darf es heute nicht mehr fehlen. Wie sehr aber Chef-«Selbstausbeutung» oder Mehrarbeit für die Angestellten bei gleichem (tiefem) Lohn die Entwicklung immer noch beeinflussen, zeigt die Studie natürlich nicht auf. 

Trotzdem: Man ist sich heute eigentlich einig, dass es auch im Online-Zeitalter ganz klar Chancen für das richtig positionierte stationäre Reisebüro gibt. Der ROPO-Trend («research online, purchase offline») wird in vielen Fällen weiterhin (oder vielleicht gar wieder zunehmend) Reiselustige, die von der ungefilterten Vielfalt im Internet und dem Search-Zeitaufwand die Nase voll haben, zum professionellen Reiseberater führen.

Beat Eichenberger