Alles Low-Cost oder was? (Ausgabe 2014-39)

Nivellierung nach unten

Lufthansa plant einen doppelspurigen Einstieg ins Langstrecken-Billigflugsegment. Zum einen wird unter dem Dach der Wings-Holding eine neue Billigfluggesellschaft gegründet, deren Name noch nicht feststeht. Als Name wird bislang «Worldwings» kolportiert; daneben hat Lufthansa beim Marken- und Patentamt auch «Swisswings», «Austrianwings» oder «Beneluxwings» schützen lassen. Besonders «Austrianwings» lässt aufhorchen: Es wird gemunkelt, dass die defizitäre österreichische Konzerngesellschaft AUA, die ihren Flugbetrieb schon 2012 in die billigeren Strukturen von Tyrolean auslagerte, ganz zur Billigfluggesellschaft mutieren wird.

Die zweite Schiene betrifft die bestehende Langstreckenflotte. Die A340-300-Teilflotte wird mehr Leisure-orientiert sein. Die First Class entfällt; die Kapazitäten erweitern sich um mehr als ein Drittel pro Flugzeug (298 statt 221 Sitze), angeflogen werden vor allem Leisure-Ziele.

Das Privatreisesegment ist also wichtiger denn je, und man darf auch einen Ausbau bei Edelweiss, Eurowings und anderen Konzernfluggesellschaften erwarten. Die Beschäftigung mit den touristischen Segmenten erfolgt vor dem Hintergrund des Kapazitätsexports arabischer und asiatischer Airlines nach Europa. Allerdings gibt es auch Resultatdruck von Finanzinvestoren.

Die «Nivellierung nach unten», primär bei den Kosten und nachgelagert auch beim Produkt, geht mit herkömmlichen Kostenstrukturen nicht. Die Sozialpartnerschaft wird zur Herausforderung, denn viele Airline-Mitarbeitende sind es leid, dass von ihnen Jahr für Jahr weitere Opfer abverlangt werden. Arbeitsniederlegungen kommen bereits vor, sowohl in Deutschland als auch z.B. bei Air France in Frankreich, wo ähnliche Ziele verfolgt werden. Dadurch können aber die Airlines die Kosten nicht rasch genug den sinkenden Erträgen anpassen – ein Teufelskreis.

Ob sich dieser durchbrechen lässt, darf man bezweifeln. Die Auslagerung von Kosten an die Partner bzw. die Passagiere selber hat die Situation kaum verbessert. Die grosse Konsolidierung steht erst noch an.

Jean-Claude Raemy