Wo sehen Sie die Reisebus-Branche am meisten benachteiligt?
Der ÖV profitiert von hervorragender, durch Steuergelder bezahlte Infrastruktur und geniesst bei Politik und Behörden eine hohe Priorität bei der Investitions- und Massnahmenplanung. Der Reisecar spielt trotz seiner nachweislich wichtigen Bedeutung für das Verkehrssystem keine oder eine sehr kleine Rolle. Mit der bisherigen Verhinderungspolitik muss Schluss sein. Die Bedürfnisse der Carbranche müssen berücksichtigt werden.
Wo besteht Ihrer Ansicht nach der grösste Handlungsbedarf?
Die ASTAG und ihre Fachgruppe Car Tourisme Suisse fordern ein Massnahmenpaket für die Reisebus-Branche, einen «Masterplan Personenbeförderung». Dazu gehören Halteplätze in Städten, bei Stadien, der Aufbau eines Systems von multimodalen Terminals für den Car- und Busverkehr, die Möglichkeit zur Mitbenützung von Busspuren durch Cars und ganz generell die Engpassbeseitigung auf dem ganzen Schweizer Strassennetz. Man könnte auch noch weitere Bereiche nennen wie die zu hohe fiskalische und administrative Belastung oder die notwendige Anpassung der Arbeits- und Ruhezeitverordnung (ARV). Die Schweiz muss lernen, in Verkehrsfragen gesamtheitlich zu denken und vom «Gärtchen-Denken» wegkommen.
Inwieweit wird Ihre Branche von der aktuellen Entwicklung auf dem Fernbusmarkt tangiert?
Schweizer Unternehmen sind bisher selber nur vereinzelt im Fernbusgeschäft tätig. Die Liberalisierung des Fernbusmarktes in Deutschland auf Anfang 2013 hat aber der Branche definitiv auch im grenzüberschreitenden Verkehr einen Schub gegeben. Grundsätzlich bewerte ich die Entwicklung als positiv, da viele v.a. auch junge Leute durch den Fernbusverkehr den Zugang zu Carreisen finden. Es zeigt sich auch, dass der Reisebus eine valable und günstige Alternative bzw. Ergänzung zur Schiene sein kann. Das Mobilitätsbedürfnis steigt generell, ein erweitertes Angebotsspektrum bei den Transportmitteln ist vor allem auch im Sinne der Kunden.
Wo sehen Sie generell die Zukunft des Busses als Reiseverkehrsmittel?
Die Bedeutung der Schweizer Reisebusbranche ist herausragend. Die Passagierzahlen steigen seit Jahren kontinuierlich an, ein Ende ist nicht absehbar. Der Erfolg des Fernbusmarktes zeigt, dass der Bus ein ernstzunehmender Player im Bereich der Personenbeförderung ist. Aber nicht nur das: die unzähligen Gruppen- und Pauschalreisen, Vereins- und Geschäftsausflüge per Reisecar sind ein elementarer Bestandteil des täglichen Verkehrs bzw. des Tourismus. Der Bus wird in Zukunft aber vor allem auch noch vermehrt als Ergänzung zu anderen Verkehrsträgern wie Bahn, Schiff oder Flugzeug für die Feinverteilung zum Einsatz kommen. Denn: Der Car fährt nach überall! Ausserdem ist er sehr ökologisch und effizienter, verbraucht pro Passagier am wenigsten Energie aller Landverkehrsmittel.
Setzt sich ASTAG bzw. Car Tourisme Suisse international für die Branche ein?
Ja, auf jeden Fall. Im Rahmen des internationalen Dachverbandes IRU (International Transport Union) pflegen wir im Ausschuss Personentransport mit Verbänden der ganzen Welt regen Austausch. Aber auch im Tagesgeschäft steht man in regelmässigem Kontakt, vor allem unter den europäischen Verbänden. Besonders intensiv sind unsere Kontakte zu den Partnerverbänden in Deutschland, Österreich und Luxemburg, mit deren Verbandsspitzen wir jährlich ein zweitägiges Branchentreffen abhalten. Diese Zusammenarbeit bewerte ich als äusserst positiv und anregend.
SG
