«Deutschland könnte das gleiche Image wie Italien bekommen» (Ausgabe 2014-43)

Der Lokführer-Streik der Deutschen Bahn am letzten Wochenende führte zu Einnahmeausfällen.

Welche Auswirkungen hatte der Streik bei der Deutschen Bahn vom letzten Wochenende bei der Forchbahn AG? 

Der Streik bescherte uns zusätzlichen Aufwand und viele Kunden verzichteten kurzfristig auf eine Weekendreise nach Deutschland. Dadurch erlitten wir einen spürbaren Einnahmenausfall. Betroffen waren vor allem Reisen nach München, Stuttgart und Freiburg im Breisgau. 

 

Der Streik fiel auf das Ferienende. Gab es viele Anfragen von verunsicherten Gästen? 

Ja, viele Ferienreisende buchten ihre Rückfahrt auf die Tage vor und nach dem Streik um. Es gab auch etliche Annullationen. Vor allem war es ärgerlich für Kunden mit günstigen Spartickets, die wegen des bevorzugten niedrigen Tarifs die Reise schon lange im Voraus gebucht hatten.

Die Deutsche Bahn hat einen Notfallplan aufgestellt. Hat dieser funktioniert, konnten die Reisenden umgebucht werden? 

Unsere Kunden haben sich nicht auf den Notfallplan verlassen, da man mit überfüllten Zügen rechnen musste. Ein Stehplatz von Hamburg nach Zürich ist ja wirklich unzumutbar.

 

Gab es Strecken, welche besonders problematisch waren? 

Ich kann nicht explizit nur eine Strecke hervorheben.

 

Wie wichtig ist die Destination Deutschland grundsätzlich für die Forchbahn AG? 

Sehr wichtig! Jeder zweite internationale Bahnfahrausweis, der bei uns verkauft wird, hat als Endziel eine deutsche Stadt. Dies gilt übrigens auch für die Städte-Pauschalreisen. 

 

In letzter Zeit kommt es immer wieder zu Bahnstreiks in Deutschland, Verspätungen sind fast an der Tagesordnung. Ist eine generelle Verunsicherung bei den Deutschland-Reisenden spürbar? 

Bisher noch nicht. Um die Unannehmlichkeiten bei Verspätungen zu vermeiden, schauen wir bereits bei der Beratung und beim Verkauf darauf, dass wir die Kunden auf direkte Züge ab und nach einem Schweizer Bahnhof lenken. Bei einer der zahlreichen Verspätungen der ICEs und Anschlussbruch haben die Kunden beim Umsteigen in Basel SBB anstelle von Mannheim oder Frankfurt sicher mindestens alle 30 Minuten einen Zug nach Zürich, der vor allem noch freie Sitzplätze hat. So müssen sie bei einem Anschlussbruch nicht noch mit einem Stehplatz vorlieb nehmen.

Nun streiken auch die Piloten bei der Lufthansa. Wie ist Ihre Einschätzung: Könnte Deutschland ein Imageproblem bekommen? 

Wenn dies nun der letzte Streik gewesen sein sollte, dann nicht. Aber sollten weitere Streiks folgen, dann bekommt Deutschland in Bezug auf Bahnreisen das gleiche Image wie Italien. Dies hätte für uns verheerende Auswirkungen. Denn vor 15 Jahren war Italien unser Hauptreisemarkt. Durch die steten Streiks und Anschlussbrüche in Mailand brachen die Verkäufe von Produkten mit italienischem Reiseziel vollkommen zusammen. So weit darf es für Deutschland nicht kommen!

NDR