«Ich kann mit der Konsolidierung bei Reisebüros ohne Kundengeldabsicherung gut leben» (Ausgabe 2014-44)

Der SRV-Präsident äussert sich zu einigen Themen, welche die Branche aktuell und noch in Zukunft bewegen.

Herr Katz, hat sich in der internationalen Wahrnehmung des SRV seit dem Namenswechsel zu Schweizer Reise-Verband etwas verändert?

Die internationale Wahrnehmung hat sich nicht verändert. Das war auch keineswegs unser Ziel. Wir wollten mit dem Namenswechsel lediglich signalisieren, dass bei uns nicht nur Reisebüros, sondern auch Veranstalter, OTAs und dem Tourismus nahestehende Organisationen eingebunden sind. 

 

Welche Themen werden derzeit mit den Verbandskollegen in Deutschland und Österreich diskutiert?

Da gibt es einige. Im Flugbereich beispielsweise die Entwicklungen zu NDC und bei den Ancillary Services sowie die Local Financial Criterias der IATA. Dann selbstverständlich die Überarbeitung der Pauschalreiserichtlinien oder die neuen EU-Richtlinien zum Versicherungsmaklergeschäft, die möglicherweise auch die Reisebranche betrifft.

In den Reisebüros wird die Zusammenarbeit mit den Fluggesellschaften oft kritisiert. Wo sehen Sie konkretes Verbesserungspotenzial und was unternimmt der SRV in dieser Sache?

Dies wurde auch schon persönlich an mich herangetragen. Allerdings werden zum Teil wirklich unrealistische Dinge erwartet und auch gefordert. Wir müssen versuchen, einen Weg mit und nicht gegen die Airlines zu finden, auch wenn sich dies herausfordernd anhört. Den Kritikern empfehle ich, sich aktiv in der Fachgruppe Flug einzubringen oder Einsitz zu nehmen. Sie können sich diesbezüglich an den Leiter Marcel Herter oder Geschäftsführer Walter Kunz wenden.

Hierzulande beklagt die Branche auch den Fachkräftemangel. Es werden aber kaum wettbewerbsfähige Löhne gezahlt. Wie lässt sich dieser Knoten lösen?

Kürzlich geführte Gespräche mit den Ausbildungsunternehmen haben ergeben, dass der Fachkräftemangel nicht unbedingt das heisseste und brisanteste Thema ist. Wir wissen, dass wir im kaufmännischen Bereich sicherlich im untersten Bereich der Lohnskala anzusiedeln sind. Aber bei unseren Margen sind höhere Salärkosten einfach nicht finanzierbar und realisierbar.

Für denselben Umsatz muss zudem immer mehr gearbeitet werden, und der Mehraufwand kann dem Kunden nicht verrechnet werden. Was muss sich ändern?

Dass mehr gearbeitet wird, ist auch in vielen anderen Branchen der Fall. Aber dass der Mehraufwand nicht verrechnet werden kann, stimmt nicht. Zumindest zeigen uns dies die Resultate unserer jährlichen Marktumfrage. Die Bruttorendite konnte seit Jahren bei 14% stabil gehalten werden – dank der Verrechnung des Aufwandes, sprich Honorar oder Gebühren.

Hat die sinkende Zahl der Reisebüros demnach mit gesunder Konsolidierung zu tun oder ist der Rückgang doch alarmierend?

Das sehe ich relativ pragmatisch. Wenn die Konsolidierung bei den Reisebüros ohne Kundengeldabsicherung stattfindet, kann ich gut damit leben. Sie verstossen gegen die Gesetzgebung und verzerren ausserdem den Wettbewerb. So ist seit dem Jahr 2000 die Gesamtzahl der Reisebüros um 45% zurückgegangen. Währenddessen wir beim SRV nur gerade einen Rückgang um 8% zu verzeichnen hatten. Qualität setzt sich durch und wird das auch in Zukunft tun! 

JCR