Der Eigenvertrieb hat im Distributionsmix der Veranstalter in den letzten Monaten anteilsmässig nicht mehr gross zugelegt. Dieses Ergebnis erstaunt; war man doch davon ausgegangen, dass sich die Online-Initiativen der Veranstalter stärker auf das Verhältnis zwischen Eigen- und Fremdvertrieb auswirken würden. Auch die spezifischen Online-Anteile am Gesamtumsatz sind kaum gestiegen. TUI Suisse beispielsweise hatte sich vor zwei Jahren das Ziel gesetzt, bis im Jahr 2016/17 einen Online-Anteil von 42% zu erreichen. Heute ist man noch nicht einmal bei der Hälfte und hat das Ziel deshalb revidiert: 40% bis ins Jahr 2019.
Die Befürchtungen vieler Retailer, dass die Veranstalter sie aufgrund des stärkeren Online-Fokus künftig benachteiligen würden, haben sich also nicht bewahrheitet. Dass die Bedeutung des Fremdvertriebs nach wie vor hoch ist, zeigt sich auch in den Kommissionsmodellen, die nun eines nach dem anderen publiziert werden. Das Damoklesschwert der Kommissions-Reduktion, das seit Jahren über den Köpfen der Reisebüros schwebt, ist auch heuer nicht gefallen. An der Grundvergütung wird nicht gerüttelt; einzig bei den Spezial- und Superkommissionen wurde die Schraube hier und da etwas angezogen. Oder es wurden verschiedene Bereiche miteinander kombiniert, nach dem Motto: «Wenn du hier gut bist, bekommst du dort auch mehr.»
Die Veranstalter geben damit eine klare Stossrichtung vor: Sie setzen auf den -Trade, wollen im Gegenzug aber auch ein Bekenntnis von ihm. Wer sich überall ein bisschen bedient und nicht voll auf einen (oder höchstens zwei) grosse Veranstalter setzt, kommt in den aktuellen Kommis-sionsmodellen auf keinen grünen Zweig mehr. Die Maxime «weniger Agenten, dafür bessere» hat heute also mehr Gültigkeit denn je. Dass die Anzahl der Reise-büros in der Schweiz stetig abnimmt, passt genau in dieses Schema.
