Vereinigungen und Verbände der Branche (Ausgabe 2014-45)

Gemeinsam statt einsam

Es war kein Grossaufmarsch, den die Generalversammlung der Reisebürovereinigung Fair am letzten Donnerstag im Rahmen des TTW erlebte. Rund 25 Personen waren dabei, davon etliche Gäste. Ungefähr 10% der Aktivmitglieder seien anwesend, meinte der Vorstand. Aber eben auch ein halbes Dutzend Neumitglieder, die deutlich bewiesen: Das Phänomen der Vereinigungen und Zusammenschlüsse lebt!

Das hat nicht nur damit zu tun, dass die Schweiz sowieso ein typisches «Vereinsland» ist und die Reisebranche ein besonders geselliges Völkchen. Es geht auch darum, dass viele Reisebüros als Kleinstunternehmen, oftmals sogar als «One-Man-Shows», agieren und deshalb Mühe haben, sich Gehör zu verschaffen – sei es im Markt allgemein, bei den Veranstaltern oder auch beim Schweizer Reise-Verband. Letzterer vertritt wohl die Interessen der gesamten Branche, ist mit über 800 Aktiv-Mitgliedern aber natürlich zu gross, um auf die Bedürfnisse jedes einzelnen einzugehen. Und die offiziellen regionalen Reisebürovereinigungen gibt es bekanntlich seit sechs Jahren nicht mehr.

Die Versuche, sich unter dem Motto «gemeinsam sind wir stärker» zusammenzutun, sind zahlreich – und nicht immer von Erfolg gekrönt. Die Plattform Reiseberatung.ch war ein interessanter Ansatz, um gemeinsam auf die Vorzüge und das Know-how eines unabhängigen Reisebüros aufmerksam zu machen. Nach einem Jahr taucht im Verzeichnis jedoch nur noch der Name des Gründers Heinz Hirter auf. Auch andernorts hält sich das Engagement der Mitglieder in Grenzen – etwa, wenn der Reisebüroverband Star seine GV extra virtuell abhält, und sich dann doch nur 20 bis 30% daran beteiligen. 

Dennoch wird es grosse und kleine Verbände und Vereinigungen wie Fair weiterhin geben und brauchen. Denn sie können Lösungen für das Dilemma schaffen, mit dem viele Reisebüros kämpfen: Die Qualität der Dienstleistung stimmt absolut, nur die Verpackung gegen aussen manchmal nicht.

Stefan Jäggi