Während mehrerer Jahre strebte Swiss eine dauerhafte, qualitative Entwicklung für das Netzwerk ab Genf an. Seit der Flughafen Genf im Dezember 2013 mit der Einführung der neuen One-Way-Tarifstruktur als Versuchskaninchen gedient hatte, ist dies nicht mehr der Fall. Seither steht Quantität über Qualität, ganz einfach um auf die 64 Destinationen von Easyjet und auf Etihad Regional, die als «bewaffneter Arm von Abu Dhabi» bezeichnet wird, zu reagieren.
Die grundlegende Frage bleibt, für welches Kundensegment man überhaupt ab Genf fliegen möchte. Um eine Neupositionierung zu erreichen, richtete man sich bislang mit nordischen Destinationen im Winter und Mittelmeerdestinationen im Sommer prioritär an Freizeitreisende. Daraus macht sich Swiss anscheinend nicht mehr viel. Mit bald vier Destinationen im Balkan wird Swiss nämlich auch im «ethnischen» Verkehr aktiv.
Gewiss, die neue Tarifstruktur ermöglichte es Swiss, die Passagierzahl ab Genf in wenigen Monaten um 10,9% zu steigern. Aber dient diese Steigerung letztendlich nicht dazu, die zusätzlich entstandenen Kosten des Genfer Standortes zu kompensieren? Oder garantiert diese die Rentabilität der verschiedenen Linien, welche wiederum ausschlaggebend ist, um das dichte Flugangebot im europäischen Raum aufrechtzuerhalten? Was die Produktqualität angeht, ist Swiss mit den Kurzstrecken, die teilweise von Tyrolean Airways ausgeführt werden, immer noch «swiss» genug? Handelt es sich hierbei um eine Flucht nach vorne? Die Zukunft wird es zeigen.
Mit diesem Vorgehen verpasst Swiss aber auch die Gelegenheit, die Golf-Airlines im Langstreckensegment auf eigenem Boden anzugreifen. Ohne eine Destination zu nennen, hat die Westschweizer Presse diese Woche von einem Potenzial Richtung Ferner Osten gesprochen, jedoch mit maximal drei oder vier Flügen pro Woche. Denn mehr als vier Flüge würden hochgerechnet zwei Flugzeuge mehr am Standort Genf bedeuten. Obschon Bangkok am meisten Passagiere generiert, bleibt die Massendestination wegen dem tiefen Yield dafür uninteressant. Geeignet wäre hingegen eine Destination wie Singapur, die dank starken lokalen Partnern und einem Qualitäts-Hub Erfolg versprechen könnte.
Dominique Sudan
Chefredaktor TRAVEL INSIDE français



