Branche versenkt SRV-Projekt einer Detailhandelslehre (Ausgabe 2014-47)

Entgegen der Vorstandsmeinung will die Branche an der KV-Lehre festhalten.

Eine Grundsatzdiskussion über die Basis der Berufsausbildung in der Reisebranche wird nicht zum ersten Mal geführt. Der Vorstand und die Exekutive, allen voran der Fachbereich Aus-/Weiterbildung mit dem Vorsitzenden Daniel Bauer, haben auf Wunsch von Verbandsmitgliedern nach Alternativen zur aktuellen KV-Lehre gesucht. 

Nach eingehenden Abklärungen und Gesprächen fiel die Wahl auf die dreijährige Detailhandelslehre mit Eidgenössischem Fähigkeitszeugnis und es wurde ein entsprechendes Projekt ausgearbeitet. «Die schulische und betriebliche Ausbildung der Detailhandelslehre deckt zukunftsweisend die Anforderungen unserer – sich in den letzten Jahren völlig veränderten – Branche ab. Mit dem stark ausgebauten Praxisbezug Schule/Lehrbetrieb über die gesamte Lehrzeit in den Beratungs- und Verkaufskompetenzen ergeben sich interessante Perspektiven für eine komplett neue Ausbildung», schreibt Bauer im Jahresbericht 2013/14, der an der Generalversammlung von letzter Woche auf Malta abgesegnet wurde.

Nur, diese Worte waren da schon Makulatur. Der Vorstand sprach sich im August noch einstimmig für die Fortführung des Projekts aus. Danach wurde ein Vorgehensplan aufgesetzt. In einem ersten Schritt präsentierten die SRV-Verantwortlichen das Projekt den wichtigsten Ausbildungsbetrieben (HR und Berufsbildner). Denn ein Wechsel lässt sich nur mit der breiten Unterstützung der Branche umsetzen.

Letztlich scheiterte das Projekt im Oktober an den Vorbehalten fast aller grossen Ausbildungsbetriebe. Sie hatten Bedenken bezüglich Image und Akzeptanz, einer reduzierten Fokussierung auf Fremdsprachen und qualitativ schlechteren Bewerbungen. Am Schluss waren hochgerechnet auf alle Lehrlinge in den Top-Ten-Ausbildungsbetrieben nur noch 32% für die Alternative zur KV-Lehre. Auf alle Lernenden schweizweit noch 24%. 

Damit ist das Projekt für viele Jahre vom Tisch. Das heisse aber nicht, dass man an der KV-Lehre bei Bedarf nicht praxisnahe Anpassungen vornehmen müsse, betont Bauer.

UH