«Unsere Wettbewerber bieten nur Copy-Paste» (Ausgabe 2014-47)

Easyjet verbucht erneut Rekordgewinne und wächst auch in der Schweiz um über 8%.

Schon wieder ein Rekordgewinn für Easyjet. Welches sind die drei wichtigsten Erfolgskriterien?

Das ist erstens das stabile und starke Netzwerk. Zweitens die Marke und ihre Entwicklung. Wir investieren dort in viele kleine Dinge wie die Easyjet-App, den neuen Pass-Scanner oder die Homepage in verschiedenen Sprachen. Drittens gehen wir sehr rational mit unserem Kapazitätswachstum um. Wir passen auf, dass alle existenten Strecken eine gute Rendite haben und achten auf eine gute Balance zwischen Winter und Sommer.

   

Wie viel hat die Schweiz zum Erfolg beigetragen?

In der Schweiz sind wir um 8,4% gewachsen. Wir transportierten über 800000 Extra-Passagiere und verzeichneten zum ersten Mal über 10 Mio. Passagiere. Im Frühjahr stationierten wir unsere neunte Maschine in Basel, und auch in Genf sind wir sehr zufrieden. An beiden Standorten stand das Jahr im Zeichen der Konsolidierung unserer Nummer-1-Position.

Ist der Schweizer ebenso preissensitiv wie der Deutsche und der Engländer? 

Auf jeden Fall. Unser Pricing-System analysiert ja die Nachfrage, und da kann man die Preise nicht einfach erhöhen, wie man will. Aber das wollen wir auch gar nicht. Wenn immer mehr Sitze im Markt sind, stehen auch die Preise unter Druck. Das ist ganz normal und letztendlich vor allem gut für die Kunden. 

Bald bietet Easyjet 116 Strecken ab der Schweiz an. Warum ist die Schweiz für Sie so wichtig?

Genf und Basel sind für uns ein «Perfect Match» mit unserer Strategie der Point-to-Point-Verbindungen in Europa. Da beide Flughäfen keine Hubs sind, können wir die Strecken direkt anbieten. Gerade in Genf und Basel arbeiten und leben zudem viele Menschen, die aus dem europäischen Ausland kommen. Beide Städte sind auch als Destinationen interessant, Basel wegen der Nähe zu Schwarzwald und Elsass und Genf für den Skiverkehr. Ausserdem sind sie für Kurztrips attraktiv.

Wie sieht Ihre generelle Strategie für Basel und Genf aus?

Wir wollen auch künftig immer neue Produkte anbieten, die sich gegenseitig nicht kannibalisieren. Aber wir verbessern auch unsere Frequenzen, vor allem zu Gunsten der Geschäftsreisenden. Drei Viertel unseres Kapazitätsausbaus sind auf bestehenden Strecken geschehen. 

In Genf gibt es mit der Swiss und auch Etihad Regional viel Konkurrenz. In Basel kündigt sich die Lufthansa-Billigtochter Eurowings an.

In Basel sind wir seit zehn Jahren, in Genf seit 15 Jahren. Und unsere Strategie ist immer dieselbe geblieben. Wir fokussieren auf Europa und sind nicht nur mit unseren Kosten, sondern auch mit unserer europaweit starken Marke absolut wettbewerbsfähig. Rein, raus, hin und her, das ist nicht unser Ding. Die Wettbewerber bieten nichts wirklich Neues, sie machen eher Copy-Paste. Wir sehen in Genf und Basel immer noch Wachstums-potenzial.

Bei den so genannten Premium-Carriern wie Lufthansa und Air France wird oft gestreikt. Warum bei Easyjet nicht? 

Wir sind nicht am Restrukturieren. Wir sind bereits eine Low Cost Airline und der Kostenfaktor steht bei uns immer im Fokus. Von mehr Wachstum und der positiven Entwicklung profitiert derzeit natürlich auch unser Personal.

SG