Nun ist sie also vom Tisch, die Diskussion über einen Wechsel von der KV- zur Detailhandelslehre in der Reisebranche. Als Gründe für ihre Ablehnung nannten die Grossen der Branche vor allem einen drohenden Imageschaden und die Furcht vor geringer qualifizierten Bewerbern. Dabei gehörte es mitunter zum Ansatz des SRV, auch Bewerber mit weniger hohen Ansprüchen in die Reisebüros zu locken. Denn nicht die geringe Anzahl der Lernenden, sondern die hohe Abwanderung nach dem Lehrabschluss ist ja das eigentliche Problem. Offenbar fehlen ambitionierten Fachpersonen mittelfristig die Perspektiven und es ist kein Geheimnis das angemessene Salär.
Fragt sich: Liegt die Wurzel des Problems tatsächlich in der Grundausbildung? Würde man diese spezifisch auf die Reisebranche anpassen wollen, wäre wahrscheinlich eine Kombination aus kaufmännischen und verkäuferischen Fertigkeiten ideal. Eine Sowohl-als-auch-Lösung also parallel zur KV-Lehre eine Detailhandelslehre ist hingegen bereits vor Jahren vom zuständigen Bundesamt abgelehnt worden.
Ein Ansatz wäre, die Lösung im Berufsalltag und in den Aufstiegschancen zu suchen. Worum es im Job wirklich geht, lernt man nur bedingt in der Schule. Einmal mehr sind die Betriebe gefragt. Hören die jungen Mitarbeitenden dort täglich die Klage vom Reisebürosterben und erleben Untergangsstimmung? Kein Wunder überlegen sie sich dann, ob sie in dieser Branche ihre Zukunft sehen. Oder erleben sie ein motivierendes Umfeld, dürfen sich auf Reisen Expertenwissen aneignen und haben so Erfolgserlebnisse beim Kundenkontakt?
Mit dem grossen Geld wird die Branche auch in Zukunft nicht locken können. Aber für wirklich Überzeugte wiegen die schönen Seiten des Jobs schwerer. Jene gilt es zu unterstützen, wenn sie den Schritt zu einer Weiterbildung oder ins Unternehmertum wagen. Entsprechende Finanztöpfe gibt es. Wenn ein Reisebüro dank Mitarbeiterförderung am Ende gar eine Nachfolgelösung findet, fragt keiner mehr, welche Grundausbildung dem Ganzen vorausging.
Stephanie Günzler



