Die europäischen Legacy Carrier kommen mit ihren Billigstrategien einfach nicht ins Spiel. Die Air France versuchte es mit Transavia, was nach kostenintensiven Pilotenstreiks fulminant scheiterte. Nun soll «Hop! Air France» das europäische Kurzstreckenprodukt aus den roten Zahlen holen. Bei der Lufthansa wehrt sich die schlagkräftige Pilotenvereinigung Cockpit nun offenbar massiv gegen das Billigkonzept namens Eurowings, für welches am Flughafen Basel sogar die Lufthansa-Partnerin Swiss ihren Stammplatz räumen will bzw. wollte. Dass diese offenbar selbst noch nicht so recht an die Basler Eurowings-Zukunft glaubt, zeigt die Tatsache, dass derzeit auch im Sommer 2015 noch Swiss-Flüge ab Basel buchbar sind.
Der Euroairport in Basel ist durch seine tiefe Kostenstruktur (die nach einem Einlenken Frankreichs im Steuerstreit nun offenbar bestehen bleiben kann) und seine Nicht-Hub-Funktion ein Schweizer Mikrokosmos für das Billigairline-Spiel. Nicht umsonst ist Ryanair hier wieder auf den Plan getreten, auch Hop ist nach dem Rückzug aus Zürich in Basel geblieben. Als Platzhirsch amtet aber eindeutig der britische Lowcoster Easyjet, der konstant weiter expandiert, schwarze Zahlen schreibt und sich über das Rein-und-Raus der Mitbewerber nur freuen kann.
Nicht umsonst bemühen Anbieter wie Easyjet fast gebetsmühlenartig immer wieder das Argument des Billigairline-Gens. Sie sind als Lowcoster entstanden und gewachsen, können ihren Fokus voll auf Point-to-Point Europa setzen und verfolgen seit Jahren die gleiche Strategie. Wer sich bei einer Billigairline bewirbt, weiss, woran er ist, wer einen Flug bucht ebenfalls. Während Air France, Lufthansa & Co. ihre Mitarbeitenden gegen sich aufbringen, die ihre einst gewährten Privilegien nicht einbüssen wollen.
Ein Konzept gegen die genetisch bevorteilte Billigkonkurrenz zu finden, wird für die Qualitätsanbieter schwierig. Und wenn, lässt es sich nur auf die hässliche Art durchsetzen, gegen das Wohl der eigenen Leute und mit viel Imageverlust.
Stephanie Günzler



