Frau Hedorfer, das Jahr 2014 ist zwar noch nicht ganz zu Ende, aber wie präsentiert es sich bis dato?
Sehr erfreulich, die Wachstumsstory geht weiter. Wir verzeichneten bis September ein Plus von 5% gegenüber dem Vorjahr, was die Übernachtungen betrifft. Ich denke, dass wir mit diesem Schwung bis Ende Jahr zum fünften Mal in Folge den Rekord brechen werden.
Wo holen Sie denn all die Leute her?
Ich denke, dass wir unser Versprechen im Qualitätsbereich eingelöst haben. Wir sind ein Urlaubsland geworden und das Wachstum kommt ursächlich über den Freizeittourismus. 25 Jahre nach dem Mauerfall haben wir uns vom Industriestandort zum Dienstleistungsstandort entwickelt. Es wurde viel investiert, die Qualität und auch das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmen.
Und wie sieht es mit den Einreisen aus der Schweiz aus?
Bis einschliesslich August konnten wir ein überdurchschnittliches Plus von 6,8% an Schweizer Gästen feststellen. 25% sind Erstbesucher. Dabei handelt es sich vor allem um Gäste aus der französischsprachigen Schweiz.
Gibt es noch weiteres Wachstums-potenzial aus der Schweiz?
Wachstumspotenzial besteht auf jeden Fall. Besonders der Transportanschluss aus der Westschweiz hilft uns dabei. Ausserdem sind die Schweizer Gäste sehr treu und sozusagen Wiederholungstäter. Sie reisen fünf bis sechs Mal im Jahr nach Deutschland und ich weiss, dass die Schweizer mit dem Reiseland Deutschland sehr zufrieden sind.
Wie wichtig sind dabei die Reiseveranstalter?
Aufgrund der Digitalisierung ist klar, dass Reisende heutzutage neue Informationswege nutzen. Selbstverständlich werden Reisen nach Deutschland gerne individuell und online direkt gebucht, besonders bei der hohen Rate an Wiederholern. Dennoch werden 14% der Übernachtungen über die Reisebranche gebucht. Besonders Veranstalter, die sich auf Kultur- oder Gruppenreisen spezialisiert haben, können hier ein spannendes Angebot auflegen. Wir haben eine enge Beziehung zur Schweizer Reiseindustrie, die für uns enorm wichtig ist, denn sie weiss, was der Kunde wünscht.
Welche Ziele haben Sie für die kommenden Jahre gesetzt?
Unser Ziel ist es, im Jahr 2020 insgesamt 7 Mio. Übernachtungen aus der Schweiz zu erreichen. Insgesamt gehen wir davon aus, dass 80 Mio. Übernachtungen möglich sind. Die Streiks der Lokführer der Deutschen Bahn und der Lufthansa-Piloten stiessen auf grosses mediales Echo. Droht Deutschland ein Imageschaden?
Nein, ich gehe nicht davon aus. Keine Frage, es fuhren nur rund ein Drittel der Züge während der Streiktage, aber sobald die Lokführer die Arbeit wieder aufgenommen haben, hat sich die Lage schnell normalisiert. Selbstverständlich sind Streiks für die Reisenden ärgerlich und jeder ist enttäuscht, wenn der Zug nicht fährt. Aber wir betrachten die Situation aus einer neu- tralen Warte und sind überzeugt, dass der Verbraucher mündig genug ist, realistisch einzuschätzen, worum es hier im Grunde genommen geht. Und schliesslich ist es so, dass auch nach Paris und Rom gereist wird, obwohl auch an diesen Destinationen immer wieder Streiks an der Tagesordnung sind.
NDR



