Wie viel taugen die «Rettungstarife» der IATA? (Ausgabe 2014-50)

In der Schweiz ist man mit der neuen Lösung alles andere als zufrieden.

Wann immer es um Kundengeldabsicherung geht, kommen früher oder später auch die Airlines ins Spiel. Während Veranstalter ihre Gelder absichern müssen, ist dies bei Fluggesellschaften nicht der Fall – ein Umstand, der von Reisebüroverbänden und Veranstaltern gleichermassen angeprangert wird.

Der Airline-Dachverband IATA hat Ende November nun mehr Hilfeleistungen für Passagiere von insolventen Fluggesellschaften angekündigt. Konkret sollen so genannte «Rescue Fares» dazu führen, dass gestrandete Passagiere innert zwei Wochen nach der Insolvenz ihrer Airline mit einer anderen Gesellschaft nach Hause fliegen können – zu vergünstigten Konditionen. 

Für Marcel Herter, Director Broking Services & Purchasing bei Hotelplan Suisse sowie Vorsitzender der Fachgruppe Flug im SRV, genügt diese Lösung nicht. «Sie funktioniert auf freiwilliger Basis, ist ‹subject to availability› und die angekündigten Vergünstigungen sind intransparent.» Solche Rescue Fares gebe es im Übrigen schon seit einiger Zeit.

Auch Marc Zinniker, Head of Flight Procurement bei Kuoni, kann der neuen Lösung nicht viel abgewinnen. «Das sieht schöner aus, als es ist. Die Lösung betrifft ausschliesslich Nur-Flug-Buchungen, für die noch keine anderweitige Versicherung besteht, zum Beispiel eine Kundengeldabsicherung eines Veranstalters.»

Eine bessere Lösung sähen Zinniker und Herter – sowie auch die meisten Reiseverbände inklusive europäischer Dachverband ECTAA – in einem Fonds, ähnlich wie bei den Schweizer Kundengeldabsicherern. «Im globalen Kontext wäre dies schwierig umzusetzen, aber nicht unmöglich. Man könnte zum Beispiel auf jedem Tarif eine kleine Zusatz-Fee als Versicherung erheben», erklärt Herter. Und Zinniker ergänzt: «Administrativ wäre ein solcher Fonds durchaus umsetzbar. Eine leere Tax-Box findet sich sicher noch auf den Tickets, und die IATA könnte den Fonds verwalten.» 

Einen solchen Fonds lehnt die IATA aber konsequent ab. Damit müssten die finanziell stabilen und seriösen Airlines ihre risikofreudigen Kollegen subventionieren, so die Argumentation. Ausserdem würde die enorme Administration eines solchen Funds etwa 85% der Inhalte auffressen.

Oder man kehrt den Spiess gleich ganz um, wie Herter vorschlägt: «Die IATA will die Zahlungsfristen immer stärker verkürzen, damit die Airlines nebst den Bankgarantien mehr Sicherheiten haben. Wir fragen: Was ist mit unserer Sicherheit? Die IATA könnte doch sämtliche Kundengelder treuhänderisch verwalten und erst bei Erbringung der Flugleistung an die Airline auszahlen.» 

SJ