Der Dreiländerflughafen Basel Mulhouse Freiburg, kurz Euroairport genannt, setzt voll auf die Karte Low-Cost-Carrier. Das zeigt sich an der neusten Entwicklung. Mit der Swiss verlässt ein grosser Legacy-Carrier Ende Mai definitiv den Flughafen. Doch von Wehklagen über den Verlust ist kaum etwas zu spüren. Im Gegenteil, Zuversicht und Freude herrschen vor, darüber, dass die Lücken zu einem Grossteil bereits gefüllt wurden.
Dass es nicht, wie ursprünglich geplant, die Billigtochter von Lufthansa, Eurowings, ist, scheint die Ver-antwortlichen am Euroairport kaum zu kümmern. Bekanntlich verzögert sich der Start von Eurowings am Dreiländereck. Inzwischen wird sogar darüber spekuliert, ob der Einstieg in diesem Jahr überhaupt noch realistisch ist. Das wäre für die LH-Gruppe nach all den Ankündigungen mehr als ein missglückter Einstieg am Euro-airport.
In die Bresche gesprungen sind bereits andere Low-Cost-Carrier wie etwa Easyjet mit Frequenzerhöhungen nach Hamburg, und Vueling füllt das Vakuum nach Barcelona auf. Für die Strecke nach Prag dürfte Wizzair bald folgen. Einmal mehr sind es die Low-Cost-Carrier, die am Euroairport den Ton an- und die Richtung vorgeben.
Diese Entwicklung steht symptomatisch für die Zeitenwende im europäischen Luftverkehr. Netzwerk-Carrier mit gewisser Grösse und einem Hub-Angebot ziehen sich je länger je mehr aus dem reinen Point-to-Point-Verkehr zurück. Die Prognose, dass es in einigen Jahren in Europa nur noch zwei oder drei grosse Airline-Gruppen mit Mega-Hubs geben wird und der Regionalverkehr durch die Low-Cost-Airlines sowie einige wenige Mikro-Airlines abgedeckt wird, kann nicht mehr als reine Fiktion abgetan werden.
Flughäfen mit keiner oder nur geringer Hub-Funktion positionieren sich in diesem Umfeld je länger je mehr als Low-Cost-Airport. Nur so können sie erfolgreich betrieben werden. Die Frage aber bleibt zu welchem Preis. Trotz aller Qualität, die der Euroairport zu bieten hat, wird ihm in Zukunft immer mehr das Etikett eines Billig-Flughafens anhaften. Ob das dem von Direktor Jürg Rämi geäusserten «Nice-to-have»-Wunsch nach einer mittelfristigen Langstrecken-Anbindung förderlich ist, darf bezweifelt werden. Und die Abhängigkeit von einer Easy-jet mit einem Marktanteil von bereits 55% muss trotz dem aktuellen wirtschaftlichen Erfolg zu denken geben.



