«Der Schwerpunkt liegt klar beim Geldverdienen» (Ausgabe 2015-05)

Roger Hohl hat vor wenigen Wochen die Leitung der österreichischen Airline Intersky übernommen.

Herr Hohl, Sie sind bereits seit elf Jahren, also praktisch seit Gründung der Airline mit dabei. Welche Schwerpunkte liegen Ihnen persönlich besonders am Herzen?

Intersky hatte über Jahre hinweg den Ruf, die einzige profitable Regionalfluglinie in Europa zu sein. Deshalb muss der Schwerpunkt ganz klar beim Geldverdienen liegen. Das war immer unser Credo und dem fühle auch ich mich verpflichtet. Die Leute schätzen uns seit vielen Jahren als verlässlichen Partner, und das soll sich nicht ändern.

Welche Projekte planen Sie, wo sehen Sie Verbesserungspotential im Unternehmen?

Die Anzahl unserer Mitarbeiter und Flotte hat sich binnen kürzester Zeit verdoppelt. Mein wichtigstes Projekt ist also, unsere Ertragskraft zu stärken und unsere gute Kostenbasis zu erhalten. Wir hatten Zeiten, da betrug die operative Rendite der Intersky 8%. Da will ich langfristig wieder hin. 

Welche Neuigkeiten darf man dieses Jahr im Flugbetrieb von Intersky erwarten?

Wir werden versuchen, unser Charter-geschäft weiter auszubauen. Besonders stolz bin ich darauf, dass wir jetzt im Sommer die Kanalinseln ab Zürich bedienen dürfen. Nicht zu vergessen, dass wir erstmals Charterflüge ab Sion auflegen sowie auch zwischen Zürich und Usedom. Im Linienverkehr werden wir ab März 2015 mit täglichen Flügen zwischen Memmingen und Berlin sowie Hamburg fliegen. 

Vor kurzem wurden mehrere geplante britische Sonderflüge nach Bern annulliert. Werden diese Flüge auf Dauer verschwinden?

Leider blieben dieses Jahr aufgrund des Frankenkurses die englischen Skitouristen aus, sodass der Veranstalter die Flüge leider stornieren musste. Ob im nächsten Jahr noch einmal ein Anlauf genommen wird, weiss ich nicht. 

Wie stark schmerzt dies Intersky, wie wird man diese freigewordene Kapazität überbrücken?

Dass Kapazitäten kurzfristig frei werden gehört zum Geschäft, damit muss man umgehen können. In diesem konkreten Fall konnten wir die freien Kapazitäten sofort wieder am Markt absetzen. Wir haben eine Maschine kurzerhand als Wintercharter auf die Kanaren verleast.

Werden Sie nochmals einen Anlauf in Bern unternehmen?

Wenn es Bedarf nach Charterflügen ab Bern gibt, werden wir diesem sehr gerne nachkommen, denn der Markt dafür ist ab Bern ziemlich gut. Bei der Linie kann ich mir das eher nicht vorstellen, zumal man jetzt erst einmal beobachten muss, wie sich Skywork und BMI gegeneinander behaupten.

Während sich viele europäische Regionalairlines momentan extrem schwer tun, erwartet Intersky dieses Jahr den Break-even-Point. Was läuft bei Intersky besser als bei anderen?

Die Auslastung stimmt und der Ölpreis spielt uns natürlich auch in die Karten. Wir sind die erste Airline, die den Treibstoffzuschlag gänzlich abgeschafft hat mit Wirkung für alle Neubuchungen ab Februar 2015. Ich denke, der grosse Vorteil der Intersky ist unsere überschaubare Grösse. Wer uns anruft, wird keine gros-sen Schwierigkeiten haben, zu mir durchgestellt zu werden. Das ist eine Verbindlichkeit, die man so bei einer grossen Fluglinie nie erreichen wird. 

MM