Die Situation bei Etihad Regional ist im Moment höchst unübersichtlich. Dass
sich das Streckennetz rege ändert, war bereits in den letzten Monaten gängige Praxis. Nun verschärft sich die Situation allerdings: Nebst Strecken werden auch Stellen gestrichen, und nimmt man die Zahlen der Slot-Koordination als Basis, stehen weitere Streckenstreichungen bevor. Auf der Website hingegen ist das ganze Programm noch buchbar. Die logische Konsequenz wird sein, dass das Vertrauen in die Airline weiter sinkt.
Was ist schiefgelaufen? Das ursprüngliche Konzept, eine Zubringer-Airline für die Langstreckenflüge von Etihad Airways zu sein, war von Anfang an vielen Hindernissen ausgesetzt. Dass das BAZL das Codesharing unterband, war ein schwerer Schlag. Offenbar hatte der arabische Konzern hierzulande liberalere Behörden erwartet und die Genehmigungsverfahren unterschätzt. Ausserdem verzettelte sich Etihad Regional mit ihrem Streckennetz: Zubringerflüge nach Zürich und Genf gehören genauso dazu wie diverse bisherige Darwin-Strecken ab Lugano, innerschweizerische Flüge und völlig quer im Streckennetz liegende Routen wie Bozen Rom oder ParisLeipzig. Eine klare Strategie, abgesehen von «aggressiv im Markt auftreten», war bald einmal nicht mehr erkennbar.
Dazu kommt, dass Etihad nicht mit einer so heftigen Reaktion von Swiss und der Lufthansa-Gruppe gerechnet hat. Dass sich die Airline nun bei der Wettbewerbskommission beschwert, ist eher eine Verzweiflungstat. Man kann nicht voll angreifen und dann erstaunt sein, wenn es der Konkurrent einem gleichtut.
Der Fokus des neuen Business-Plans, Vertragsdienstleistungen für andere Etihad-Partner anzubieten, tönt nach einem Rückzug auf Raten. Es bleibt zu hoffen, dass wenigstens das Geschäft in Lugano, also das frühere Kerngeschäft der Darwin Airline, im klassischen Sinne erhalten bleibt. Sonst endet ein weiteres Kapitel der Schweizer Luftfahrt unerfreulich.
Stefan Jäggi



