Tunesien: Einbruch oder Sympathiewelle? (Ausgabe 2015-13)

Der Anschlag in Tunis ist ein erneuter Rückschlag für die Destination.

Nach dem Terroranschlag auf das Bardo-Museum in Tunis, bei dem 23 Menschen starben – die meisten davon Touristen – steht der Tourismus wieder einmal vor einer schwierigen Zeit. Das EDA hat seine Reisehinweise aber nicht verschärft. Entsprechend bieten die Veranstalter keine kostenlosen Annullationen oder Umbuchungen an. 

Bei Hotelplan Suisse gab es keine Annullationen, es wurden in den letzten Tagen sogar Neubuchungen getätigt. Kuoni Schweiz annullierte bisher sechs Dossiers. Und TUI Suisse verzeichnete einige Anfragen für Umbuchungen. Tagesausflüge nach Tunis wurden allerorts gestrichen; dies gilt auch für die Kreuzfahrtschiffe.

Generell fängt die Saison für die Veranstalter erst im April so richtig an – mit unterschiedlich grossem Engagement. Kuoni etwa hat auf fixe Flugkontingente gänzlich verzichtet. Bei Hotelplan und TUI sieht es anders aus; Letztere eröffnet im Mai sogar einen neuen Robinson-Club auf Djerba.

Betroffen ist vor allem Tunesien-Spezialist Xenotours. Nach einem verhaltenen Jahresstart hoffte er auf einen Aufschwung im Frühling, der nun jäh abgebremst wurde. Nebst einigen Dossiers muss er jetzt auch den Herbst-Charter ab Bern streichen. Am restlichen Programm hält er vorerst fest – nicht aber an seinen Expansionsplänen. «In dieser Woche wollte ich in den österreichischen Markt einsteigen. Das wird jetzt vorerst auf Eis gelegt», sagt Geschäftsführer Karl Hochstetter.

Ein Rückschlag ist es auch für Tunesien selber. Nachdem 2014 rückläufig war (–6,6% aus der Schweiz, –3% global), startete die Schweiz mit +6,5% gut ins neue Jahr. Boudeir Bouraoui, Direktor des tunesischen Fremdenverkehrsamts in der Schweiz, hofft nun auf die TOs. «Sie haben uns ihre Unterstützung zugesagt und teilen unsere Meinung, dass heute kein Land vor Terrorismus gefeit ist.»

Das dramatische Ereignis habe zudem weltweit zu einer grossen Welle des Mitgefühls für Tunesien geführt. Im Internet kursieren viele Bilder mit Aussagen wie «I will come to Tunisia» oder «Je suis Bardo». Währenddessen hat die Regierung die Sicherheitsmassnahmen verstärkt.

SJ