Herr Wittwer, wie ist TUI Suisse im laufenden Jahr unterwegs?
Bei den Passagierzahlen befinden wir uns über dem Vorjahresniveau. Da wir einen Tag nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses die Preise um 15% gesenkt haben, kann man für den Umsatz natürlich nicht dieselbe Aussage machen.
Wie gross war denn die Auswirkung dieses 15. Januars?
Die Passagierzahlen sanken gleich danach unter das Vorjahresniveau und blieben bis Anfang März darunter. Dabei hatten wir die Preise einen Tag später bereits nach unten angepasst. Trotzdem registrierten wir damals doppelt so viele Buchungen von Kunden, die über TUI Deutschland mit Abflughafen Zürich gebucht haben also Schweizer, die ihre Ferien im Ausland buchten. Einfach weil die Leute meinen, es sei generell billiger, in Deutschland zu buchen, was gar nicht stimmt.
Spürten Sie auch einen «Kuoni-Effekt», nachdem bekannt wurde, dass das Unternehmen sein Veranstaltergeschäft verkaufen will?
Das lässt sich nicht eruieren, da am Tag darauf ja der Euro-Mindestkurs aufgehoben wurde und dies einen allfälligen Kuoni-Effekt überdeckte.
Wo sehen Sie aktuelle Buchungstrends?
Bei den Destinationen für den Sommer entwickeln sich Thailand und Südafrika hervorragend, aber auch die USA und Ägypten sind im Aufwind. Unter Vorjahr liegen hingegen die Türkei, Kanada und Zypern. Generell wächst das Fernreisesegment im Badeferiengeschäft bei uns überproportional.
Und der Luxusreisemarkt, in den Sie letztes Jahr mit der Marke Airtours eingestiegen sind?
Das ganze Luxussegment wächst, und Airtours übertrifft unsere Erwartungen. Wir haben das Jahresbudget bereits im Januar erreicht. In diesem Segment könnten die Veränderungen im Schweizer Reisemarkt durchaus eine Rolle spielen.
Ein wichtiger Eckpfeiler Ihrer Strategie ist die Digitalisierung. Wie weit ist TUI Suisse da inzwischen?
Wir haben heute einen Online-Anteil von 16%, Ziel sind 40%. Wir richten unser Augenmerk im Moment besonders auf Service-Applikationen für Kunden und die Verzahnung von On- und Offline. Für unseren TUI Digital Assistant (Meine TUI App), den wir vor einem Jahr eingeführt haben und der die Kunden vor, während und nach der Reise begleitet, haben sich inzwischen 5000 Kunden registriert. Die Umstellung auf digitale Reiseunterlagen braucht im Vertrieb und bei den Kunden etwas Zeit, aber die Akzeptanz wächst kontinuierlich.
Was bedeutet die Digitalisierung für den stationären Vertrieb?
Unsere Filialen werden in diese digitale Transformation eingebunden. Ende Mai eröffnet im Glattzentrum unser erster New Concept Store. Die bisherige Filiale wird umgebaut und durch digitale Elemente wie Schaufenster-Screens, interaktive Karten, iPads zur Inspiration etc. ergänzt. Es handelt sich dabei nicht um einen Flagship-Store zu Showzwecken wir werden nach und nach alle Filialen gemäss diesem Konzept umbauen, um die Verzahnung zwischen On- und Offline voranzutreiben.
Aufgezeichnet: SJ



