Wenn alle paar Jahre die Content Agreements zwischen den Fluggesellschaften und den GDS erneuert werden müssen, nutzen die Airlines diese Gelegenheit gerne, um die gesamte Vertriebsstrategie zu überdenken. Meist haben sich seit der letzten Erneuerung die Luftfahrt und deren Vertriebstechnologie so stark verändert, dass es beinahe unmöglich ist, den Vertrag zu den exakt gleichen Konditionen zu verlängern. Dazu kommt, dass es nur -einen Funken braucht, um die sowieso schon aufgeheizte Stimmung zwischen den Airlines und dem Vertrieb zum Kochen zu bringen.
So kam es in den letzten Jahren zu langanhaltenden -Krisen, etwa bei der Einführung des Preferred-Fares–Modells von Swiss und Lufthansa 2008 oder auch beim Gebührenstreit zwischen American Airlines und Travelport bzw. Sabre 2010/11. Und auch bei den aktuellen Verhandlungen zwischen der Lufthansa-Gruppe und den GDS scheint nicht alles von Anfang an klar zu sein.
Dies ist insofern nachvollziehbar, als es viel zu diskutieren gibt. Die neuen Europa-Tarife zum Beispiel, die nun sogar zu einer Aufhebung des Preferred-Fares–Modells führen. Dies wiederum dürfte eine erneute Diskussion um GDS-Gebühren lostreten. Weiter geht es nicht mehr nur um die Darstellung von reinen Flugtarifen, sondern auch um all die Ancillary Services, die vor sieben Jahren noch kaum von Bedeutung waren. In diesem Zusammenhang wartet wiederum der neue Flugdatenstandard NDC auf die Branche. Nach einiger Anlaufzeit darf man nun davon ausgehen, dass dieser innerhalb der nächsten Vertragsperiode richtig starten wird. Dies bedingt, dass die neuen Verträge zwischen den Airlines und GDS «NDC-fähig» sind, wie dies beispielsweise zwischen Amadeus und American Airlines bereits der Fall ist.
Für alle Beteiligten steht dabei viel auf dem Spiel. Die Airlines befinden sich in einem zerstörerischen Preiskampf und haben keinen Millimeter Spielraum bei den Vertriebskosten. Die GDS-Betreiber spüren die Bedrohung durch Direktanbindungs-Lösungen; sollten sie keine richtigen Full-Content-Verträge mehr aushandeln können, sind sie nicht mehr konkurrenzfähig. Und die Retailer haben mit einer Flugbuchung schon heute oft mehr Aufwand als Ertrag.
Wie die Verträge im Detail aussehen werden, lässt sich noch nicht abschätzen. Aufgrund von diversen Aussagen im Vorfeld scheint aber klar, dass Swiss nicht bereit ist, die Kosten des Zwischenhandels mitzutragen. Dass die Branche in Zukunft immer dieselben Tiefstpreise wie die Swiss-Website anbieten kann, ist also äusserst fraglich.
Stefan Jäggi



