Nepal, eines der ärmsten Länder der Welt, wurde durch das Erdbeben und die zu beklagenden Todesopfer und Verletzten sowie die immensen Schäden an der Infrastruktur im Mark getroffen. Die Anteilnahme ist gross, auf der ganzen Welt wird Geld für Hilfslieferungen gesammelt und professionelle Helferteams werden in die Region geflogen. Bei Redaktionsschluss mussten bereits über 4300 Todesopfer vermeldet werden. Dass viele ländliche Gebiete noch nicht zugänglich sind und die Situation am Mount Everest unklar ist, lässt kaum Optimismus aufkommen. Das Ausmass der Katastrophe kann überhaupt noch nicht abgeschätzt werden.
Für den Tourismus, einem der wichtigsten volkswirtschaftlichen Einnahmequellen des Landes, ist dieses Erdbeben eine Tragödie ohnegleichen. Zahlreiche Kulturgüter und Sehenswürdigkeiten, darunter viele UNESCO-Weltkulturerbestätten, sind zerstört. Der Wiederaufbau dürfte viele Jahre in Anspruch nehmen. Noch härter treffen die Bevölkerung die persönlichen Schicksale und die stark beschädigte und nur teilweise funktionierende Infrastruktur, seien es die Strassen, die Kommunikation oder die Wasser- und Stromversorgung.
Priorität hat nun die Rettung, Versorgung und Betreuung der betroffenen Menschen ob Einheimische oder Gäste. Im Gegensatz zum Massentourismus mit seinen Bettenburgen an europäischen Stränden ist es im Fall von Nepal mit seinen Individualreisenden und Backpackers viel schwieriger für die Veranstalter, ihre Kunden zu erreichen. Glücklicherweise neigt sich die Saison dem Ende entgegen. In der Hochsaison wäre die Herausforderung ungleich grösser gewesen. Dass sich jetzt aber unverletzte Touristen abseits jeglicher Lebensgefahr, allen voran Bergsteiger, mit teuer bezahlten Helikopterflügen aus dem Everest-Gebiet ausfliegen lassen, obwohl diese für Hilfsflüge in unzugänglichen Gebieten gebraucht würden, kann nur als makaber und skandalös bezeichnet werden.
Rund 500000 Touristen, darunter etwa 5000 aus der Schweiz, besuchen jährlich den Himalaya-Staat. Nepal ist trotz aller Zerstörung darauf angewiesen, dass diese im Oktober/November, wenn die Hochsaison wieder beginnt, dem Land nicht den Rücken zukehren. Rund 30% der Deviseneinnahmen des Landes stammen aus dem Tourismus. Nepal zu bereisen, ist die direkteste und effizienteste Art, die Bevölkerung zu unterstützen. Trotz Tragödie und Wiederaufbau ist das Land vom Tourismus abhängig.



