Neue GDS-Gebühr bei Swiss (Ausgabe 2015-23)

Die Wut der Agenten steigt

«Jetzt reicht es!» Diese wortwörtliche Reaktion des Schweizer Reise-Verbands (SRV) auf die neuen GDS-Gebühren der Lufthansa-Gruppe zeugt von einem eskalierenden Konflikt – zumal zahlreiche weitere Vertreter der Schweizer und auch deutschen Branche gleich reagiert haben. Die Beziehung zwischen Airlines und Reisebüros erreicht einen Tiefpunkt, wie man ihn zuletzt beim Preferred-Fares-Streit oder bei der Einführung der Nullkommission gesehen hat.

Wirklich überraschend kommt die Ankündigung nicht. Dass zahlreiche Airlines immer stärker auf den Eigen- und Direktvertrieb setzen, ist nicht neu. Dass die Full-Content-Agreements mit den GDS deshalb wackeln, ebenfalls nicht. Der Schritt, den Vertriebskanal GDS nun auch preislich zu benachteiligen, ist deshalb die logische Konsequenz.

Schon jetzt zeichnet sich ab, dass sich die Agenten mit ihrer Alternativlösung, der LH-Agenten-Website, nicht zufrieden- -geben werden – die ersten Reaktionen belegen dies. Routings, die auch Airlines aus-serhalb der Lufthansa-Gruppe einschliessen, lassen sich damit nicht buchen, und zur Anbindung an die eigenen Systeme gibt es auch noch viele offene Fragen. Die Airline-übergreifende Transparenz fehlt ebenfalls – Agenten werden also zwischen der Buchungswebsite und einem Vergleichsportal hin- und herwechseln müssen, was Mehraufwand bedeutet.

Inwiefern die neue Regelung noch verhandel- oder anfechtbar ist, wird sich aus den Diskussionen der kommenden Tage und Wochen zeigen und hängt auch davon ab, wie viel Druck die Reisebranche zu erzeugen vermag. Will sie etwas erreichen, muss sie koordiniert und einheitlich agieren. Tritt die Regelung am 1. September wirklich in Kraft, sind aber zwei Dinge klar: Andere Airlines werden dem Beispiel der LH-Gruppe folgen. Und die Kluft zwischen Direkt- und Agentenvertrieb in Bezug auf Preis und Service wird sich danach weiter vergrös-sern.

Stefan Jäggi