Erneut Gerüchte um Kuoni Schweiz (Ausgabe 2015-34)

Was hat DER Touristik mit Kuoni Schweiz vor, womit müssen die Kuonianer rechnen?

Das grosse Traditions-Reiseunternehmen Kuoni (Schweiz) bleibt zwar bestehen, allerdings unter deutscher Herrschaft. Die Rewe-Tochter DER Touristik übernimmt bekanntlich die einstige Nummer 1 der Schweizer Reisebranche. Diese Tatsache stösst einigen Branchenleuten leicht sauer auf, ist nun aber Fakt und entspricht auch dem Trend hin zum «grossen Kanton». Deutsche Anbieter werden inskünftig noch weitaus stärker auf den hiesigen Markt drängen.

Noch ist der Deal nicht in trockenen Tüchern, doch Gerüchte um diesen ebenso komplizierten wie spektakulären Kauf machen in der Branche die Runde und finden teils auch den Weg in die Medien. Die von der Kuoni-Gruppe versprochenen Boni für den Kader zu deren Verbleib in der Firma sind seit längerem bekannt, die «Sonntagszeitung» hat dies publik gemacht.

Ebenfalls publik, allerdings nicht neu, ist die Tatsache des möglichen Verkaufs der Kuoni-Immobilie Neue Hard, bewertet mit CHF 100 Mio. Die Kuoni Holding hat diesen Posten aus dem Verkauf der Kuoni Reisen AG herausfiltriert, die Immobilie war nicht Bestandteil des Verkaufs der Reiseveranstalter-Tätigkeiten. Die Kuoni-Holding (Rest-Kuoni, also der verbleibende Teil) ist aufgesplittet: Ein grosser Teil davon sitzt noch an der Ueber-landstrasse, ein anderer an der Neuen Hard. Ein Zusammengehen würde Sinn machen, und der Verkauf der Neuen Hard ist offenbar angedacht.

Rest-Kuoni und Deutsch-Kuoni werden möglicherweise an verschiedenen Standorten operieren. Der Hauptsitz von Kuoni Schweiz wird sich einen neuen Standort für die rund 500 Mitarbeitenden suchen müssen. Vermutlich eine Mietlösung, bestimmt in den viel günstigeren Stadtrand-Zentren Altstetten, Zürich-Nord, Flughafen-Umgebung etc. Büroräume gibt es derzeit zuhauf. DER Touristik, darauf kann gewettet werden, wird diesen Umzug nutzen, um die Personal-Situation zu analysieren und den zu erwartenden Schnitt durchzuführen.

Die Kuoni-Angestellten verfielen ob der Rewe-DER-Verkaufsnachricht in eine leichte Euphorie: Eine Schirmherrschaft unter Migros-Hotelplan wäre aus ihrer Sicht der Super-GAU gewesen. Inzwischen mehren sich innerhalb der Branche die Stimmen, welche eine Hotelplan-Lösung als die bessere Variante betrachtet hätten. Nicht nur, weil dies eine Schweizer Lösung gewesen wäre, sondern weil bei Hotelplan absolute Kuoni-Insider das Sagen haben, welche ihrem ehemaligen Arbeitgeber möglicherweise die besseren Zukunftschancen ermöglicht hätten. Kein Zweifel, bei den Filialen und auch in der Produktion wäre es zu Überschneidungen gekommen, doch die guten Mitarbeitenden beider Firmen wären dann unter verschiedenen Marken zusammengelegt worden. Die besseren Filialstandorte – oft sind ja HP und Kuoni benachbart – wären vermutlich ausgebaut geworden. Mit anderen Worten: Bei Migros-Hotelplan wären viele Mitarbeitende vermutlich umplatziert statt entlassen worden. Ein grosses «Blutbad» hätte die Migros aus Imagegründen eh nie und nimmer tolerieren können.

Unter der Regie von DER ist Stand heute überhaupt nicht klar, welcher Produktionsbereich in der Schweiz letztlich überleben wird. DER Touristik kann selber auf führende Reise-Marken und erfahrene Produktions-mitarbeitende zurückgreifen. Synergien werden mit -Sicherheit ausgelotet. Der Spardruck wird sich irgendwann auch auf die Akquisition in der Schweiz aus-wirken. Und auch der Druck auf die Retail-Shops wird bei Kuoni Schweiz hoch bleiben. Im Gegensatz dazu ist die Hemmschwelle für Entlassungen für DER geringer als für Migros-Hotelplan. 2016 und 2017 wird es sich weisen, was mit Kuoni Schweiz passiert. Allenfalls wird Kuoni Schweiz, analog TUI Suisse oder Thomas Cook, in der Schweiz eine reine Vertriebsorganisation. Die Kuoni-Tochter-Marken, welche dem neuen DER-CEO Sören Hartmann ziemlich imponierten, haben gute «Überlebens»-Chancen. Dass ihr Standort inskünftig weiterhin in der Schweiz verbleibt, ist gut möglich.

Interessant ist indes noch folgendes Gerücht: Anscheinend besitzen Geschäftsleitungsmitglieder und Kader von Kuoni Schweiz einen Kündigungsschutz über zwei Jahre. Das tönt fürs Erste zwar beruhigend. Noch unklar ist, wann dieser Schutz sein Ende findet: Würde der Verkauf von Kuoni Schweiz rückwirkend auf den 1.1.2015 fixiert – die Verhandlungen sind noch im Gange –, dann wäre schon ein Jahr abgelaufen.

Ein anderes hartnäckiges Gerücht macht ebenfalls die Runde: Stefan Leser soll bei DER im Gespräch sein. Das ehemalige Konzernleitungsmitglied von Kuoni, mit Ambition auf den obersten Posten als Konzern-CEO (heute Peter Meier), hatte Ende 2014 enttäuscht und vorzeitig das Handtuch geworfen. Leser ist nur noch bis Oktober 2015 auf der Kuoni-Payroll. Die Verbindung von Leser zum neuen Kuoni-Besitzer DER stammt aus seiner Zeit bei Kuoni: Dort arbeitete er mit der bekannten Beratungsfirma Roland Berger zusammen. Der damalige Kontaktmann, René Herzog, ist heute bei DER Touristik COO. Dies könnte also durchaus Sinn machen und Leser auf Umwegen doch noch oberster Chef bei Kuoni werden. Schaun mer mal, würde er als gebürtiger Bayer-Franke dazu sagen.

Angelo Heuberger