Herr Berger, seit 1.9. verrechnet die LH-Gruppe eine DCC was sagen Ihre Firmenkunden dazu?
Diese sind natürlich keineswegs erfreut darüber, erkennen aber auch die Tatsache, dass es eigentlich keine Alternative zu den GDS und einer TMC gibt. Dies vor allem wegen der Verknüpfung der Prozesse und der Reports, aber auch, weil die Firmen von einer TMC die Neutralität, Markttransparenz, den Service und letztlich das bestmögliche Angebot im Markt wollen das ist unverändert der Mehrwert eines spezialisierten Reisebüros.
Gibt es Anzeichen, dass die Firmen von der LH-Gruppe wegsteuern?
Die Grosskunden suchen das Gespräch mit uns, doch es ist noch etwas zu früh, um von einem Wegsteuern zu sprechen. Bei den Kleinkunden wird sich zeigen, ob diese weiterhin über uns buchen werden oder vermehrt Direktkanäle nutzen.
Hat die DCC Auswirkungen auf Ihre internen Prozesse und Abwicklungen?
Durch die Integration der DCC in die YR-Taxbox wird der Flugtarif gleich von Beginn weg verteuert bei der OPC wäre dies erst ganz am Schluss der Buchung der Fall gewesen, was tatsächlich schlecht gewesen wäre. Es bleibt zu hoffen, dass sich an dieser Handhabung nichts verändert.
Haben Sie denn ein gewisses Verständnis für das Vorgehen der LH-Gruppe?
Wir unterstützen die Distribution Cost Charge nicht und haben dies auch offen unseren Firmenkunden kommuniziert. Es ist nicht in Ordnung, wenn die Airlines ihre Flüge im Direktverkauf CHF 16 günstiger anbieten die DCC ist eine klare Diskriminierung unseres Vertriebskanals.
Sind denn das Agentenportal oder Direct Connect keine Alternativen?
Beim Agentenportal verlieren wir die Hoheit über die Buchung. Zudem gibt es verschiedene Einschränkungen, zum Beispiel bei Umbuchungen oder gewissen Zusatzleistungen. Das widerspricht grundlegend der Positionierung einer TMC: Wir wollen unsere Kunden vollumfänglich betreuen, und das über die LH-Gruppe hinaus. Eine Direct-Connect-Lösung würden wir in unserem Falle allenfalls nur in der gesamten Hotelplan-Gruppe evaluieren, doch für mich wäre das ein Schritt zurück: Dies würde letztlich zu einer neuen Plattform führen, was wir ja mit den GDS längst haben.
Was wäre aber, wenn mit der Zeit noch weitere Airlines mit einer DCC kämen?
Wie sich der Vertrieb der Airlines weiterentwickelt, ist schwer abzuschätzen. Ich denke, dass einige Airlines nun genau beobachten, was das Vorpreschen der LH-Gruppe zur Folge hat. Am Ende wird aber der Kunde bestimmen, was Bestand haben wird. Unsere Aufgabe ist es, ihm die Fakten klar auf den Tisch zu legen.
Und was sagen Ihre Firmenkunden zu den neuen Branded Fares der LH-Gruppe?
Die Kunden fragen öfters nach, was die einzelnen Tarife nun beinhalten und was nicht das hat für uns eindeutig mehr Erklärungsaufwand zur Folge. Zudem gibt es da und dort noch einzelne Probleme bei der detaillierten Abbildung, und auch das Interlining funktioniert noch nicht überall. Für mich stellt sich letztlich die Frage, ob es für eine Qualitäts-Airline klug ist, das Tarifsystem der Low-Cost-Carriers zu kopieren.
BE



