Es tönt fast so, als würde die neue GDS-Gebühr der Lufthansa-Gruppe in den Filialen gar niemanden interessieren. «Kein grosses Problem», «alles ganz normal», so tönt es vonseiten der Vertriebschefs der grossen Unternehmen. In der reinen Abwicklung mag dies stimmen: Da die Gebühr (noch?) als Taxe aufgeführt wird, ändert sich prozesstechnisch nichts, und speziell ausweisen und damit erklären muss man die Gebühr auch nicht. Flugpreise sind sowieso eine sehr volatile und für den Kunden recht undurchsichtige Angelegenheit; wenn bei einer Reise mit Flug, Mietauto, ein paar Hotels etc. der Flug nun CHF 16 teurer ist als im Internet, merkt das niemand, und falls es doch einer merkt, stört es ihn wohl kaum.
Auf einer übergeordneten, strategischen Ebene ist das Problem hingegen grösser denn je. Denn die Lufthansa-Gruppe zeigt nun, dass sie nicht nur der Prügelknabe der Branche sein kann, sondern durchaus auch in der Lage ist, Gegendruck zu erzeugen. Hotelplan Suisse hat ihren Komplexitätszuschlag plötzlich wieder aufgehoben, aufgrund laufender Verhandlungen. Das heisst nichts anderes, als dass Swiss und Co. ebenfalls Massnahmen eingeleitet oder zumindest angedroht haben zum Beispiel bei den «anderen partnerschaftlichen Agreements», die Swiss-CCO Markus Binkert in einem früheren TI-Interview erwähnt hat, etwa einen gewissen Goodwill bei ADM oder dergleichen.
Das Klima zwischen Airlines und den Vertriebspartnern geht damit von «angespannt» zu «vergiftet» über. Ein Vertriebsexperte, der nicht genannt werden will, beschreibt es folgendermassen: «Sobald man sich über die Airlines beschwert, bekommt man von ihnen gleich wieder eins aufs Dach. Es wird alles gegen einen verwendet.» Die Sprache und die Aktionen in diesem Konflikt verdeutlichen, dass es im Moment nur darum geht, wer am längeren Hebel sitzt. Mit einem Anteil von 70% an den verkauften Tickets müsste es eigentlich der indirekte Vertrieb sein. Die neusten Entwicklungen lassen aber daran zweifeln.
Einmal mehr zeigt sich dabei die naturgegebene Problematik, dass die Branchenplayer nicht plötzlich von Mitbewerbern zu Mitstreitern werden und am gleichen Strick ziehen können. Die einen shiften, die anderen nicht. Die einen wollen zusätzliche Zuschläge einführen, die anderen nicht. Die einen kommunizieren lieber öffentlich, die anderen lieber bilateral oder gar nicht. Mit verzettelten und halbherzigen Aktionen wird es sehr schwierig, die GDS-Gebühr und darauffolgende Entwicklungen im Airlinevertrieb zu stoppen.



