Kuoni-Rewe-Deal ist abgeschlossen (Ausgabe 2015-38)

An seinen Worten wird man ihn messen

Am letzten Freitag ging nach fast 110 Jahren ein Stück Schweizer Wirtschaftsgeschichte zu Ende. Mit dem Abschluss des Verkaufsprozesses sind die europäischen Reiseveranstalteraktivitäten der Kuoni Group und damit auch Kuoni Schweiz definitiv an die Rewe Group/DER Touristik übergegangen. Die Kuoni Group dürfte froh sein, dass sie das in ihren Augen nicht zukunftsträchtige Outgoing-Geschäft acht Monate nach der Ankündigung abstossen konnte. 

Ob sie mit ihren Dienstleistungsaktivitäten einer erfolgreichen Zukunft entgegensteuert, wird sich zeigen. Bei der Volatilität dieser Geschäftsfelder, einem als schwach geltenden VR-Präsidenten, der übermächtigen Hugentobler-Stiftung und einem unglücklich agierenden CEO sind Zweifel erlaubt. Nur schon ein kleines, nicht bestätigtes Gerücht, die chinesische Beteiligungsgesellschaft Fuson könnte ein Übernahmeangebot für die Kuoni Group abgeben, liess den Aktienkurs am Dienstag ansteigen. 

Für Kuoni Schweiz beginnt nun ein neues Kapitel, das durchaus Chancen bietet. Vieles deutet darauf hin, dass zumindest vorerst wieder Ruhe einkehren kann und sich die Unsicherheit legen dürfte. Oberste Priorität hat das Kerngeschäft Reisen produzieren und verkaufen. Das Team rund um CEO Marcel Bürgin ist gefordert. Verlorenes Vertrauen muss zurückgewonnen werden, bei Partnern, Handel und Konsumenten. Bei der Ausrichtung von Kuoni Schweiz hat Bürgin die Federführung. Das deutet auf viel Eigenständigkeit hin, die das Mutterhaus ihm zugestehen will. Nicht anders sind auch die Absage von Sören Hartmann, CEO von DER Touristik, an eine Verschmelzung der nationalen Gesellschaften zu einem Unternehmen und das Versprechen, dass die nationalen Unternehmen und Marken bestehen bleiben, zu verstehen. 

Wenn es gelingt, im Hintergrund Synergien zu nutzen, und gegen aussen am Markt mit Schweizer Tugenden wie Qualität, Know-how und Servicebereitschaft aufzutreten, dann kann die Reisemarke Kuoni wieder an Glanz zurückgewinnen. Sollten sich die Anstrengungen auch noch in schwarzen Zahlen widerspiegeln, dann dürfte DER Touristik der Tochter Kuoni Schweiz relativ freie Hand lassen.

Starke Worte, gar ein Versprechen, das Sören Hartmann da abgegeben hat. Denn wer weiss schon, wie sich das Reisegeschäft in den nächsten Monaten und Jahren entwickeln wird? An seinen Worten und Taten werden ihn Mitarbeitende, Kunden und Partner messen.

Urs Hirt