Reorganisation bei der Lufthansa-Gruppe (Ausgabe 2015-39)

«Verkonzernisierung» schreitet voran

Die Wahl des neuen Swiss-CEO ist keine grosse Überraschung, auch wenn man von den vorhergehenden Gerüchten mal absieht. Zu erwarten war ein reiner LHG-Konzernmanager ohne erkennbaren Bezug zur Schweiz, und so kam es auch. Wer tatsächlich hoffte, dass ein urschweizerischer Unternehmer die Zügel in die Hand nehmen würde, hat von der Entwicklung der Lufthansa-Gruppe in den letzten Jahren nicht viel mitbekommen.

Die «Verkonzernisierung» wird im soeben angekündigten Programm «7 to 1» noch beschleunigt. Die Eigenständigkeit verabschiedet sich Stück für Stück, und aus der Branche ertönen bereits die ersten Unkenrufe, weshalb Swiss denn überhaupt noch einen CEO brauche. Man kann diese Entwicklung gut oder schlecht finden; wenn man sich die Herausforderungen für die europäischen Legacy Carriers ansieht, wird aber schnell klar, dass Idealismus und Nostalgie zurzeit fehl am Platz sind.

Dass eine klare Grenze zwischen den «Premiumairlines» und der Eurowings-Gruppe gezogen wird, ist gut für die Swiss. So verwässern die Marken und ihr Image weniger. Als gutes Zeichen wird auch angesehen, dass Harry Hohmeister die Oberaufsicht für die Premiumairlines erhalten hat und nicht den weniger prestigeträchtigen Vorsitz der Eurowings-Gruppe. Die Hoffnungen, dass Swiss doch noch etwas Eigenständigkeit behalten kann, ruhen nun auf ihm. Aus diesem Grund dürfte es Swiss auch verschmerzen, dass ihr neuer CEO nicht mehr im Konzernvorstand sitzt.

Der Furcht, dass immer mehr Prozesse und Arbeitsstellen nach Frankfurt abgezogen werden, kann die Reorganisation entgegenwirken. Die Swiss mag zunehmend im Konzern aufgehen, aber auf den Standort Schweiz und insbesondere Zürich setzt die Lufthansa-Gruppe weiterhin – nicht nur als Verkehrshub, sondern auch als Know-how-Hub. Für CCO Markus Binkert und sein Team kommt es einem Ritterschlag gleich, wenn die Schweizer Expertise in seinem Bereich als konzernweit führend beschrieben wird. 

Viele offene Fragen bleiben. Wie wird Binkerts Team in Zürich angesichts der Sparvorgaben bestückt? Wie stark wird im Hohmeister-Ressort Netz- und Flottenplanung, Produkt und Vertrieb vereinheitlicht, und was bleibt für den neuen Swiss-CEO Klühr übrig? Was geschieht mit Genf, das ja nicht zu den definierten LHG-Hubs zählt und deshalb eigentlich eher «Eurowings-Terrain» wäre, was aber noch nie zur Sprache kam? Antworten wird es erst in den kommenden Monaten geben, wenn die Organisationsstruktur festgelegt wird.

Stefan Jäggi