«Wir müssen unseren Kundenstamm verjüngen» (Ausgabe 2015-42)

Silvia Cornel hat viele Ansätze und Ideen für die erfolgreiche Reisebüro-Zukunft.

Frau Cornel, die Schweizer Reisebüros kämpfen Stand jetzt mit einem Umsatzrückgang von 7,1% im Vergleich zu 2014. Das hört sich dramatisch an. 

Der Wert stimmt nachdenklich. Ob er noch auf die Aufhebung des Mindestkurses zurückzuführen ist, die Schweizer weniger für Reisen ausgeben oder eine Abwanderung ins Internet stattfindet, ist schwierig zu werten – vermutlich sind es alle drei Dinge zusammen. Es werden nochmals ein paar Reisebüros schlies-sen. Trotzdem glaube ich an unseren Vertriebskanal. Durch Engagement, Kompetenz und optimierte Arbeitsabläufe kann man gutes Geld erwirtschaften.

Ist Besserung in Sicht?

Das liegt wohl am Geschäftsmodell und am Engagement des Inhabers. Mein Reisebüro besteht seit drei Jahren und hat ein kontinuierliches Wachstum. Stand heute verzeichne ich ein Plus von 40% gegenüber Vorjahr. Der Kunde kommt für komplexe Reisen wieder ins Reisebüro. Persönlich habe ich sehr wenige Anfragen ohne Buchung. Vermutlich, weil ich auf den persönlichen Kontakt setze. Ich engagiere mich auch stark im öffentlichen Bereich. Das ist die beste Werbung.

Was sind weitere aktuelle Probleme?

Heute muss der «optimale Standort» nicht mehr unbedingt in der teuren ersten Reihe sein. So fällt u.a. die Laufkundschaft weg, die sich «nur» beraten lassen möchte. Probleme sind auch der Preiskampf im Internet sowie die Haltung vieler Fluggesellschaften, die Reisebüros als kostenlosen Vertriebskanal nutzen. Wenn ich die Zeit kalkuliere, bis ich einen Swiss-Flug verkauft habe und dabei keinen Rappen verdiene, bin ich dankbar um meine Yoga-Atemübungen. 

 

Welche Büros leiden besonders?

Schwierig sind die Zeiten für Reisebüros, die sich auf ein bestimmtes Zielgebiet spezialisiert haben, derzeit z.B. die Türkei. Die Grösse spielt weniger eine Rolle. Es ist jeder einzelne Mitarbeiter, der den Erfolg einbringt. Ebenfalls habe ich keine Bedenken bezüglich Grenznähe. Abheben muss man sich mit dem Service. Es mag banal klingen, aber mich überrascht es immer wieder, wenn ich einige verstaubte Reisebüros sehe.

Was wären Ansätze für die Zukunft?

Ich höre immer wieder, dass nur ältere Leute im Reisebüro buchen. Ein traditionelles Büro muss sich auch Gedanken machen, wie es seinen Kundenstamm verjüngen kann. Ich habe dazu eine Auswertung gemacht: Das Durchschnittsalter meines Kundenstammes liegt bei 40 Jahren. Zudem beschäftige ich mich mit dem Thema Prozessoptimierung: Dazu gehört die Evaluation und Einführung eines einfachen, modernen und kostengünstigen Midoffice-Systems. 

 

Sie sind seit einem Jahr Präsidentin von FAIR. Was konnten Sie bewirken?

Mein erster Fokus lag auf unserem Auftritt: Wir haben unser Logo aufgefrischt und einen einfachen, modernen Webauftritt implementiert. Zudem verbessern wir die Kommunikation zu unseren Mitgliedern und nach aussen. Unsere Vorstandsmitglieder arbeiten gerade sehr intensiv an einem richtigen Knüller. Dazu aber mehr am TTW. 

JW