Wenn ein Eurocrash auf eine griechische Flüchtlingstragödie und eine kriselnde Top-region namens Südtürkei trifft, dann hat die Reisebranche naturgemäss nichts zu lachen. Es zeichnet sich ab, dass im Geschäftsjahr 2015 vielerorts rote Zahlen geschrieben werden.
Der schnellen Reaktion der Branche nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses ist es zu verdanken, dass nächstes Jahr wohl wieder freundlicher aussehen wird. Die sofortigen Preissenkungen um 15% waren zwar schmerzhaft und lassen sich bis Ende Jahr wohl auch nicht überall kompensieren. Aber zumindest konnten die Kunden gehalten werden die Paxzahlen sehen im Gegensatz zu den Umsatzzahlen heuer meist recht erfreulich oder zumindest nicht rückläufig aus. Dies kommt den Veranstaltern und Reisebüros nun zugute, jetzt, da sich die Währungssituation einigermassen stabilisiert hat und man für die kommende Saison von Anfang an sauber kalkulieren kann.
Das Jahr zeigt aber auch, dass man als Schweizer Unternehmen im preisgetriebenen Massengeschäft eigentlich nur verlieren kann. Nicht umsonst erwähnen sämtliche CEOs der grossen Reiseunternehmen plus der SRV-Präsident die Wichtigkeit von Spezialistentum und Service- bzw. Beratungsqualität. Und hier steht die Schweiz nicht einmal so schlecht da. Der Chef des umsatzstärksten deutschen Reisevertriebssystems adelte kürzlich in einem TI-Interview die Schweizer Reisebüros, als er die hiesige Beratungsqualität höher einstufte als die deutsche. Und an einem deutschen Branchenanlass in diesem Herbst wurde deutlich, dass die Schweizer punkto Beratungsgebühren schon deutlich weiter als andere Länder sind und ihre Qualität auch in Geld umwandeln können.
Man ist also auf einem guten Weg, was sich nächstes Jahr hoffentlich auch wieder im Ergebnis niederschlagen wird. Nichtsdestotrotz zeigt das Jahr 2015 wieder einmal: Sobald die Währung wackelt, gerät die Branche in Probleme. Das dominierende Kriterium ist und bleibt der Preis.
Stefan Jäggi



