«Die Airlines haben ein unglaubliches Chaos angerichtet» (Ausgabe 2015-46)

Inzwischen pendelt sich die Situation in Sharm el-Sheikh langsam wieder ein.

Nach dem Absturz einer Metrojet-Maschine auf dem Sinai behandeln Länder und Airlines die Destination Sharm el-Sheikh höchst unterschiedlich. Während mehrere Länder von Reisen abraten und einige Airlines ihre Flüge bis auf weiteres eingestellt haben, gilt in der Schweiz der Normalbetrieb. 

Trotzdem herrschte am letzten Donnerstag grosse Verwirrung. Erst kündigte die Lufthansa-Gruppe an, all ihre Flüge zu stornieren. Kurz darauf vermeldete Edelweiss aber, weiterhin zu fliegen. «Die Airlines haben ein unglaubliches Chaos angerichtet», enerviert sich Michael Grütter vom Ägypten-Spezialisten Express Travel International, «wir hatten für Freitag rund 70 Pax nach Sharm gebucht und begannen am Donnerstag, die Kunden nach Hurghada umzubuchen.» Einige hätten annulliert. Auch Kuoni Schweiz ging zwischenzeitlich davon aus, dass nicht geflogen wird. «Am Freitag flogen dann 16 Kunden mit Edelweiss, vier haben kostenlos storniert», sagt Mediensprecher Marcel Schlatter.

Edelweiss spricht von einem Missverständnis. «Wir haben uns aber keinen Anweisungen der LH Group widersetzt», sagt Sprecher Andreas Meier. Man orientiere sich an den EDA-Reisehinweisen und an der eigenen Security-Abteilung. Der morgige Flug soll wie geplant stattfinden, ebenso derjenige von Helvetic Airways.

Bei Helvetic Airways und ihrem Charterpartner Hotelplan Suisse war die Situation von Anfang an klarer: «Wir haben zusammen entschieden, dass wir den Flug durchführen werden», sagt Hotelplan-Sprecherin Anja Dobes. Die Lage im Ferienort sei ruhig; am Flughafen sei die Situation zwar hektisch, aber geordnet. Weil das EDA nicht von Reisen abrät, gelten die normalen Annullationsbedingungen. TUI Suisse, Express Travel und Amin Travel geben aber an, dass man unter Umständen eine kulante Lösung finde.

Das Reisevolumen hält sich sowieso in Grenzen. Hotelplan Suisse hatte Anfang Woche 127 Pax in Sharm el-Sheikh, Kuoni Schweiz 60, TUI Suisse ein Dutzend. «Die Nachfrage hat in letzter Zeit generell stark abgenommen. Früher war Sharm einmal die beliebteste Ägypten-Destination der Schweizer», sagt Reto Amin (Amin Travel) stellvertretend für die meisten der befragten Veranstalter. 

SJ