Kuba erlebt Tourismusboom (Ausgabe 2015-50)

Torschlusspanik bei Nostalgikern

Kuba erlebt zurzeit einen Touristenansturm sondergleichen. Die Zuckerrohrinsel, die lange auf das Erbe der Revolution setzte, ist dem Touristenansturm nicht gewachsen und kämpft mit Kapazitätsengpässen. 

Die grosse Problematik für die Reiseveranstalter ist dabei, die Qualität der Angebote zu halten. Die Gefahr besteht, aufgrund der hohen Nachfrage kurzfristig auf unerfahrene Reiseführer zurückzugreifen oder Unterkünfte anzubieten, die den geforderten Standards nicht entsprechen. Da die sozialistische Regierung Kubas vor wenigen Jahren erste Reformen vornahm und Kubaner inzwischen Zimmer vermieten und kleine Restaurants führen dürfen, stieg zwar das Angebot, doch manches entspricht nicht den Erwartungen der ausländischen Gäste. 

Begründet wird die hohe Nachfrage einerseits mit dem erhöhten Flugangebot vor allem aus Europa, andererseits aber auch mit dem Auftauen der Eiszeit zwischen den USA und dem sozialistischen Kuba. Viele befürchten schon bald eine Amerikanisierung und damit den Verlust des einzigartigen Charmes der Karibikinsel. Doch was für Touristen heute eine nostalgische Ferienkulisse sein mag, ist für die Kubaner selbst harte Lebensrealität. Viele Einheimische sind davon überzeugt, dass die Aufhebung des Wirt-schafts-embargos für sie neue Möglichkeiten eröffnet und die Situation im Land im Allgemeinen verbessert wird.

Insgesamt befindet sich die Insel bereits jetzt im Wandel. Und die grossen US-Konzerne wittern Milliardengeschäfte und warten nur darauf, dass der Kongress in Washington endlich die Wirtschaftssanktionen aufhebt. Damit würden auch die Reisebeschränkungen wegfallen und die touristischen Einreisen aus den USA massiv ansteigen. Die kubanische Regierung plant zurzeit den Bau neuer Hotels und auch die Flughafen-Terminals sollen in den kommenden Jahren modernisiert werden. Denn die nächste Besucherwelle kommt bestimmt.

Nathalie De Regt