«Wir verzeichnen 30 Prozent mehr Buchungen» (Ausgabe 2016-04)

Der Glur-Reisen-Geschäftsführer über den Buchungs-Boom für den hohen Norden.

Bei einer Umfrage von TRAVEL INSIDE bei Reisebüros kristallisierte sich heraus, dass es bei den Reisenden eine Verschiebung der Destinations-Wahl gibt. Können Sie das als Skandinavien-Spezialist bestätigen?

Eindeutig. Seit Mitte November 2015 verzeichnen wir eine massive Buchungs-Zunahme. Bis Ende Dezember generierten wir ein Umsatz-Plus von 60% gegenüber Vorjahr, gesamthaft liegen wir für 2016 umsatzmässig 20% über Vorjahr. Dies, obwohl die Katalogpreise für den Sommer 2016 im Schnitt 10% gesunken sind. Die Kunden geben mehr Geld aus, der Dossierwert hat sich um 15% erhöht. Die Pax-Zahl ist seit November um 40% gestiegen, die Anzahl der Buchungen um 30%.

Ist das Ihrer Meinung nach auf die derzeitige Unsicherheit von Reisenden bezüglich einiger Badeferien-Destinationen zurückzuführen?

Das ist schwierig zu beurteilen. Es ist nicht so, dass Kunden zu uns kommen und explizit bestätigen, dass sie z.B. nicht in die Türkei fahren wollen und deshalb in den Norden ausweichen möchten. Es könnte aber schon einen Zusammenhang haben.

Wie wird der Buchungsansturm von Ihrem Team bewältigt?

Zum Glück haben wir auf den 1. Dezember 2015 eine neue Mitarbeiterin angestellt. Einige Teilzeit-Angestellte haben ihr Pensum erhöht und ein befristetes Arbeitsverhältnis konnte verlängert werden. Darüber hinaus unterstützt uns Heidi Glur immer noch tatkräftig bei Marketing-Events oder an den Ferienmessen. Daneben leisten im Moment alle Überzeit. Januar bis April generieren wir in der Regel die Hälfte vom Jahresumsatz.

Verzeichneten Sie auch an den Ferienmessen eine solch hohe Nachfrage?

Ja. Zwar gab es in Bern einen Besucherrückgang, aber unser Stand wurde buchstäblich überrannt. Wir berieten Kunden praktisch ohne Pause, das gab es in den letzten Jahren definitiv nicht.

Gibt es schon Kapazitätsprobleme in gewissen Regionen?

In Island haben wir an gewissen Daten bereits Mühe, Unterkünfte zu finden. In Norwegen, Schweden und Finnland wurden einige Hotels zu Flüchtlingsunterkünften umfunktioniert, wodurch die Kapazitäten zurückgefahren wurden. Deshalb könnte es in der Hochsaison ebenfalls eng werden. Die Ferienzeiten dehnen sich aber aus. Die Spitze ist eigentlich im Juni/Juli, die Kunden werden jedoch flexibler und reisen auch im Mai oder September in den Norden, damit wird ein Kapazitäts-Ausgleich geschaffen. 

Welche Reisen liegen denn besonders im Trend?

Island ist hoch im Kurs und kommt insbesondere bei den Jungen gut an. Vielleicht auch, weil Easyjet ab Basel fliegt und Icelandair mehr Direktflüge anbietet. Familien bevorzugen Schweden und bei den Hurtigruten verzeichnen wir einen Zuwachs von 20%.

Wie schätzen Sie die Buchungs-Entwicklung für den Norden für das restliche 2016 ein?

Es ist schwierig abzuschätzen, ob es sich vielleicht einfach um eine kurze Konzentration handelt oder ob die Buchungs-Zunahme weiterhin in diesem Rahmen anhält. Wir merken, dass die Kunden generell viel früher buchen. Der Trend entwickelt sich bei uns eher in diese Richtung als in Richtung Last-Minute. Für 2017 verzeichnen wir ebenfalls doppelt so viele Buchungen im Vergleich zum Vorjahr.

JW