Isländer sind ein spezielles Volk. Das macht sich einerseits durch die international bekannten Filme und diverse Musik-Interpreten bemerkbar. Andererseits gibt es wohl kaum ein anderes Land, dessen Hauptstadt vier Jahre lang von einem Komiker regiert wurde, der 2010 mit abstrusen Slogans die Wahl gewonnen hatte. Isländer sind eben Optimisten, alles ist möglich und alles kommt am Ende gut und wenn nicht, gibts auch dafür eine Lösung.
Unter diesem Motto muss diese seit 1. Januar 2016 geltende Mehrwertsteuer entstanden sein, deren Rechtsgrundlage unklar ist und in der Branche nur für Verwirrung sorgt. Kein Wunder also, dass die Island-Spezialisten den Kopf schütteln und dazu einstimmig der Meinung sind, das sei doch wieder typisch Island. In der stillen Kammer ein Gesetz ohne internationale Rechtsgültigkeit zu erlassen, und das zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt für die Veranstalter, hinterlässt nicht nur Fragen. Dieses Gesetz ist eine Ohrfeige für alle TOs und Reisebüros, die mit ihrer Tätigkeit in der Schweiz den Tourismus in Island fördern.
Es ist nicht immer einfach, die Isländer zu verstehen. Interessant ist die Frage, wie sich ein Volk mit 330000 Einwohnern überhaupt einen Staatsapparat leisten kann. Sicher ist: Der Tourismus spielt dabei eine immens wichtige Rolle und ist der Hauptgrund für die Erholung des Landes nach der Finanzkrise 2008. 60% der seit 2010 neu entstandenen Jobs hängen mit dem Tourismus zusammen. Die Prognosen sind rosig Island boomt unaufhörlich.
Diese Kuh wird jetzt gemolken. Nicht nur mit dieser neuen Mehrwertsteuer, die von Kritikern als Geldmacherei bezeichnet wird. Neu kosten jetzt auch Sehenswürdigkeiten und Parkplätze im ganzen Land, die bisher kostenfrei waren. Wie TI erfahren hat, sollen im Gegenzug aber viele Strassen in einem miserablen Zustand sein und mit den eingeflogenen Gästen die Kapazitäten überschritten werden.
Es ist erfreulich, dass die Wirtschaft in Island floriert und die Krise überwunden scheint. Island sollte an der Strategie vorwärts festhalten und den Tourismus fördern. Veranstalter, die Tausende Touristen nach Island bringen, mit unseriösen Gesetzeserlassen zu bestrafen, ist jedoch nicht der richtige Weg. Mit Geldgier und einer unkoordinierten Tourismus-Förderung kann sich das Land nur ins eigene Fleisch schneiden. Das wäre ein Rückschritt und den kann sich Island nicht leisten.



