In der Romandie werden die Büros der beiden Kuoni-Bahnreisetöchter Frantour und Railtour zusammengelegt. Die 14 Railtour-Mitarbeitenden in Lausanne werden dazu in die Frantour-Büros am Bahnhof Cornavin in Genf umquartiert, wo zurzeit 90 Personen (davon 80 in Vollzeit) angestellt sind. Die Railtour-Mitarbeitenden müssen bis Montag mitteilen, ob sie den Umzug mitmachen oder nicht.
In der Deutschschweiz muss Frantour umziehen allerdings nur das Backoffice, welches zu Railtour nach Zollikofen zieht. Frantour wird am Platz Zürich weiterhin mit einem eigenen Büro präsent sein.
Hinter dem von Kuoni gutgeheissenen Entscheid stehen Überlegungen zu Kostenreduktionsmöglichkeiten. «Das Zusammenlegen der Backoffices bietet gute Einsparungsmöglichkeiten für beide Unternehmen», erklärt Frantour-Direktor Guy Schoenenberger.
Diese Schritte werfen dennoch einige Fragen auf: Drohen die beiden früheren Konkurrenten, seit zwei Jahren unter der Kuoni-Flagge vereint, durch die gemeinsamen Büros nicht weiter an Profil zu verlieren? Ist eine Abgrenzung so noch möglich?
Railtour-Direktor Werner Schindler findet schon: «Unsere beiden Marken sind im Schweizer Markt klar positioniert. Railtour ist als Spezialist für die Schweiz, Alpenzüge, Erlebniszüge, Lifestyle oder Romantik-Weekends bekannt. Frantour gilt als Spezialist für Frankreich, Korsika, Italien und «Les sables», also Ferienangebote für französischsprachige Kunden auf den Balearen, kanarischen Inseln, Griechenland, Ägypten und Tunesien. Das Wesentliche ist, eben diese zwei starken Marken im Markt präsent halten zu können. Und dazu braucht es klar abgegrenzte Produktionsteams.» Weiter analysiert Schoenenberger: «Unser Gesamtkuchen wird aufgrund der Marktentwicklung ohnehin kleiner, und so entwickeln Frantour und Railtour neue Geschäftsbereiche, wo man sich nicht konkurrenziert.»
Einen Kannibalisierungseffekt habe es schon bisher nicht gegeben, erklären beide Direktoren unisono. «Bei Railtour lief es im Frühling aufgrund von Software-Umstellungen nicht den Wünschen entsprechend, aber die Verkäufe sind inzwischen wieder auf Vorjahresniveau», bilanziert Schindler. Die bessere und vor allem günstigere Nutzung von Infrastruktur, und die gemeinsame Entwicklung und das Benchmarking im Bereich IT tragen ab 2008 weiter dazu bei.
Schoenenberger hebt die gesunde Konkurrenz hervor: «Wir bleiben in den Bereichen Produktion, Marketing und Agentenbetreuung klar Konkurrenten. Das gemeinsame Backoffice hat auf die Beziehung zum Endkunden und zu den Agenten keinerlei Auswirkung.»
Die zwei bis vor Kurzem verfeindeten Firmen sprechen heute also lieber über Synergieeffekte. Bleibt die Frage, ob Railtour überhaupt noch in der Romandie präsent sein muss. Dazu Schindler: «Wir erzielen in der Westschweiz 20% unseres Umsatzes und sehen noch Potenzial. Dafür braucht es Präsenz vor Ort.» Im Gegenzug gibt es für Frantour mehr Potenzial in der Deutschschweiz, weshalb auch das Zürcher Büro beibehalten wird.
Pikantes Detail am Rande: Der Bahnhof Cornavin wird demnächst umgebaut, und Frantour muss sich dann nach neuen Büroräumlichkeiten umsehen. Dazu Schoenenberger: «Wo das Call-Center liegt, spielte beim Entscheid keine Rolle, nur dessen Effizienz. Wir haben ohnehin genügend Planungsspielraum, da der Flügel des Bahnhofs, wo Frantour untergebracht ist, erst 2010 umgebaut wird.»
Dominique Sudan/Jean-Claude Raemy



