Herr Leuzinger, hat der SRV diesen Vorstoss erwartet?
Nein, mit einem Vorstoss in dieser Art und zu diesem Zeitpunkt
in keiner Weise. Noch im Dezember 2007 war eine SRV-Delegation mit LX
am Tisch zu Gesprächen versammelt, und da war noch keine Rede von dem,
was LH/LX schon einen Monat später in die Vernehmlassung geben sollte.
Hat der SRV wirklich so gelassen reagiert, wie dies Swiss sagt?
Die SRV-Delegation, bestehend aus Marcel Hausheer, Walter Kunz
und mir, war kurzfristig aufgeboten worden, als Zuhörer wohlverstanden.
Die von Harry Hohmeister geäusserte Meinung, wir hätten gelassen
reagiert, ist mir auch schon zu Ohren gekommen. Es dürfte aber auch
einem gegebenenfalls unkonzentrierten Herrn Hohmeister nicht entgangen
sein, dass die SRV-Delegation ob der Dreistigkeit im Vorgehen
überrascht war und natürlich auch die herbe Enttäuschung zum Ausdruck
gebracht hat. Wenn er unsere sachlich und gefasst vorgetragenen
Äusserungen zum Thema, wie auch die Tatsache, dass wir die «Bad News»
und das quasi «Fait accompli» nicht gleich vor Ort analysiert haben,
als Gelassenheit interpretiert, so ist das seine Sache. Für mich
bedeutet eine solch unqualifizierte Aussage reine Schönfärberei.
Wie geht der SRV nun vor?
Gespräche werden auf verschiedenen Ebenen und mit
unterschiedlichen Stellen gesucht und auch stattfinden. Dabei sucht der
SRV auch nach Koalitionen mit dem Ausland. Über die Strategie des SRV
will ich hier noch keine Aussagen machen. Nur soviel kann ich
versprechen: Der SRV wird angesichts der Brisanz in der Sache sicher
nicht einfach klein beigeben. Sollten die Möglichkeiten eines SRV und
seiner Mitglieder von gegnerischer Seite weiterhin unterschätzt werden,
kann das der Sache der Reisebüros nur dienlich sein.
Wer wird in der SRV Task Force dabei sein?
Ich konnte über das Wochenende mit verschiedenen
Reisebüro-Angehörigen sprechen, die mir und dem SRV spontan ihre
Unterstützung anerboten haben. Gesetzt sind sicher der
SRV-Geschäftsführer Walter Kunz, Marcel Hausheer als Vorsitzender der
Fachgruppe Flug sowie ich selber. Wir drei treffen uns noch diese Woche
mit weiteren Personen. Daraus wird sich das weitere Vorgehen für
Vorstand und Task Force ergeben.
Was ist das Ziel des SRV?
Was da gemeinsam von Swiss und Lufthansa angekündigt worden ist,
kann unter gar keinen Umständen akzeptiert werden. Es kann nicht sein,
dass Airlines vorerst wollen das Lufthansa und Swiss ineinem meines
Erachtensundurchdachten «Schnellschuss» derartig in langjährig
bestehende Vertriebsstrukturen der Reisebürobranche eingreifen. Es kann
ferner auch nicht sein, dass die Reisebüros die Zeche einer
Auseinandersetzung, notabene primär zwischen Airline und GDS, zu zahlen
haben, nur weil sie als vermeintlich schwächstes Glied in einer
ehemaligen Partnerschaft zwischen Airline/GDS/Reisebüro gesehen werden.
Das Wort Partnerschaft ist in den letzten Jahren massiv strapaziert
worden und dürfte angesichts der neuesten Entwicklung nun bald zur
Bedeutungslosigkeit verkommen.
Der SRV wird unter anderem für faire Vertriebsstrukturen kämpfen und
sich dafür einsetzen, dass möglichst gleichlange Ellen hergestellt
werden. Die Reisebüros verdienen es nicht, derartig «veräppelt» zu
werden. Denn die Reisebüros sind es, die zum einen die Sitze der
Airlines (am wohl kostengünstigsten) vertreiben, die nachweislich den
höchsten Yield generieren und die obendrein im Alltag auch ein nicht zu
unterschätzendes Arbeitspensum für die Airlines erledigen bis dato
ohne jegliche Entschädigung.
