Swiss und Lufthansa wollen ihre Vertriebskosten senken und führen dazu
per 1. Oktober 2008 eine neue Distributionsstruktur ein. Die
bisherigen, publizierten Tarife werden grundsätzlich angehoben CHF 25
für Oneways und CHF 50 für Retourtarife. Diese erhöhten Tarife werden
weiterhin allen GDS-Benützern offen stehen.
Wer von den bisherigen Tarifen, die dann neu «Preferred Fares» heissen,
profitieren will, muss mit Swiss und Lufthansa einen Einzelvertrag
abschliessen, was nur IATA-Reisebüros möglich sein wird. Nach
Vertragsabschluss hat das Reisebüro in allen GDS (Galileo, Amadeus,
Sabre, Worldspan) Zugriff auf die Preferred Fares. Allerdings müssen
die Agenten der Swiss/
Lufthansa pro ausgestellten Flugcoupon acht Franken (sowie even-
tuell Mehrwertsteuer; dieser Punkt ist noch nicht geklärt) bezahlen.
Harry Hohmeister (Chief Network & Distribution Officer, Swiss) zu
den Gründen: «Die neue Distributionsstruktur ist Teil eines optimierten
Geschäftsmodells. Für das, was die GDS leisten, sind diese zu teuer. In
diesem Jahr rechnen wir mit Preiserhöhungen der GDS von 310%.» Swiss
geht von durchschnittlich CHF 8.50 Kosten der GDS pro Flugsegment aus.
Rudolf Schumacher (Head of Sales & Marketing Switzerland, Swiss)
ergänzt: «Es ist nicht unsere Absicht, die GDS zu umgehen, denn diese
bieten einen Mehrwert. Allerdings müssen die Konditionen stimmen. Wir
gehen davon aus, dass die meisten Schweizer Reisebüros ausländische
Agenten haben keinen Zugang darauf auf Preferred Fares wechseln
werden.»
Eine Alternative zu Buchungen via GDS mit Bezahlung der Gebühr von CHF
8 pro Segment soll ein Online- Agentenportal werden. Laut Thomas Benz,
Senior Manager Head Sales & Marketing Switzerland der Swiss, soll
das Agentenportal bis im Sommer 2008 geschaffen werden. «Das Ticketing
würde dann durch Swiss erfolgen. Noch geprüft werden muss die Anbindung
an die Backoffice-Systeme der Reisebüros», ergänzt er.
Eine Hintertüre lässt sich Swiss noch offen: In Gesprächen mit den GDS
soll nun verhandelt werden. «Wir laden die GDS ein, die Welt jetzt zu
verändern, dann sieht die Sache im Oktober vielleicht anders aus. Wir
gehen davon aus, dass sich auch die Reisebüros ihre Meinung über die
GDS bilden. Wir sehen das Online-Agentenportal ebenfalls als
Druckmittel auf die GDS, die nun etwas bewegen müssen, um nicht
Marktanteile zu verlieren», meint Hohmeister und ergänzt: «Die
Reisebüro-Landschaft hat unsere Ankündigung professionell und
konstruktiv entgegengenommen. Mit den Reisebüros werden wir auf jeden
Fall eine vernünftige Lösung finden.»
Ähnliche GDS-Gebühren gibt es seit 2006 in den USA und seit 2007 in
Grossbritannien. In Deutschland und Österreich werden sie bereits per
1. Juli 2008 von Swiss und Lufthansa eingeführt.
Chris Probst
