Individuelle statt generelle Rabatte (Ausgabe 2008-05)

Der Systemwechsel von generellen Kinderrabatten zu individuellen Ermässigungen überfordert Retailer und Kunden.

Bei den grossen TO gewährt nur M-Travel im Badeferienbereich noch
Kinderrabatte, die als Mindestprozentsatz über den gesamten Katalog
gültig sind. Alle anderen Handelsmarken haben spätestens auf diesen
Sommer ihr System geändert und schreiben individuelle
Kinderermässigungen oder Kinderfestpreise pro Hotel aus.

2007 gab es bei Helvetic Tours noch 30% Reduktion für Kinder von 2 bis
16 Jahren, je nach Hotel auch mehr. Das ist im Sommer 2008 nicht mehr
so. Kuoni gewährt individuelle Rabatte oder teilweise auch
Kinderfestpreise. TO-Chefin Marianne Häuptli erklärt: «Kuoni und
Helvetic Tours haben 2008 ein neues Preismodell eingeführt. Es gibt
keine generellen Kinderrabatte über alle Hotels. Wir subventionieren in
der Kalkulation die Kinderpreise nicht mit höheren Erwachsenenpreisen.
Darum sind wir bei den Erwachsenen weitgehend günstiger als
Mitbewerber, die tiefere Kinderpreise mit höheren
Erwachsenen-Basispreisen wettmachen. Für Badeferien verzeichneten wir
in den letzten Jahren mehr als 80% Erwachsene. Wir sind der Meinung,
dass diese zum günstigst möglichen Preis reisen sollen.»

TUI Suisse arbeitet vorwiegend mit Kinderfestpreisen. Caroline Bleiker,
Director Package Tours: «Die Kinderfestpreise bei TUI und 1-2-Fly, die
bis Ende Saison buchbar sind, sofern es im Hotel freie Zimmer gibt,
sind nicht subventioniert. Die limitiert erhältlichen
XXS-Kinderfestpreise und unsere Superkinderfestpreise sind mit einer
Mischrechnung hinterlegt.»
Ein System mit Kinderfestpreisen hat auch FTI Touristik. So gibt es zum
Beispiel für Mallorca Kinderfestpreise ab CHF 429 bis 14 Jahre oder für
Malta ab CHF 475 bis 16 Jahre. Auch bei ITS Coop gibt es keine
prozentualen Ermässigungen, sondern Kinderfestpreise (unabhängig von
der Aufenthaltsdauer) oder Kinderpreise je nach Aufenthaltsdauer.

Bei Hotelplan gibt es je nach Hotel verschiedene Prozentsätze an
Reduktionen, teilweise bis 18 Jahre. Einzig M-Travel hält noch an
generell gültigen Ermässigungen fest. Kinder von 2 bis 12 Jahren
erhalten auch im eigenen Zimmer mindestens 30% (teils bis 50%) Rabatt.
Zwischen 12 und 16 Jahren gibt es zwischen 10% und 30% Ermässigung.
«M-Travel ist der Schweizer TO für Familien, und unser Angebot generell
kinderfreundlich. Wir sind bestrebt, ein möglichst einfaches
Preisgefüge und Rabattsystem zu bieten», erklärt Corinne Bucher,
Marketing-Zuständige von M-Travel.

Für die Kunden, aber auch für die Retailer, ist es nicht einfach,
Übersicht zu behalten. Reto Christoffel (Destour Sargans): «Es ist ein
Durcheinander ohne Linie. In diesem komplizierten Wirrwarr von
Kinderreduktionen haben wir keine Übersicht mehr.» Auch Daniel Kiefer
(Dan Tours Schönenwerd) hat seine Mühe: «Ich wäre froh, wenn es
einfacher wäre. Der Mehraufwand, der uns entsteht, ist mühsam.
Allerdings verstehe ich die TO, weil die Hotels ja auch verschiedene
Rabatte gewähren.» 

Chris Probst

Grosszügig – aber komplett verwirrend

Generelle Prozentsätze für Kinderreduktionen waren früher der
Normalfall. Unterschiede gab es nur in der Höhe des Prozentsatzes.
Dieses System hat heute bei vielen TOs ausgedient. Entweder gibt es
Kinderfestpreise, die von Hotel zu Hotel variieren oder dann variable
Prozentsätze pro Angebot. Grundsätzlich geht der Trend dahin, lediglich
die Rabatte, welche die einzelnen Hotels gewähren, an den Kunden
weiterzugeben. Kommt dazu, dass es zusätzlich noch tiefere Kinderpreise
gibt, die allerdings nur beschränkt erhältlich sind, beispielsweise die
XXS-Preise und Superkinderfestpreise von TUI Suisse. Und bei Kuoni hat
innert Jahresfrist ein komplettes Umdenken stattgefunden. Was vor einem
Jahr noch als ultimative Lösung angepriesen wurde, gilt nicht mehr.

Die Kinderermässigungen sind sicher grosszügig – aber auch komplett
verwirrend. Nicht dass die Rabatte tiefer wären als früher. Es ist wohl
im Durchschnitt eher das Gegenteil der Fall: Familien, die genau
vergleichen und kalkulieren, können teilweise gewaltig sparen –
vorausgesetzt, sie wählen das richtige Hotel und den richtigen
Veranstalter aus. Der grosse Unterschied zu früher: Das Vergleichen der
Kinderreduktionen verschiedener Veranstalter ist durch den Wegfall der
generellen prozentualen Ermässigungen sehr viel schwieriger geworden.
Und den Durchblick bei allen möglichen Varianten mit Prozenten,
Kinderfestpreisen, Superkinderfestpreisen, XXS und ähnlichem oder
Kombinationen verschiedener Elemente und Frühbucher-Kinderrabatten hat
wohl kein Retailer mehr.

Es ist nicht auszuschliessen, dass M-Travel durch die Einfachheit der
Kinderreduktionen bei Familien Marktanteile gewinnt. Die klare Regelung
hilft den Agenten und gibt auch den Kunden mehr Übersicht. Der Retailer
hat wenigstens noch die Möglichkeit, den Endpreis in den
Buchungssystemen genau ausrechnen zu lassen. Der Endkunde ist beim
Kalkulieren mit den Angaben in den Katalogen sicher in vielen Fällen
komplett überfordert. Vielleicht ein Vorteil für die Reisebüros, denn
dies führt bestimmt viele Familien wieder vermehrt ins Reisebüro.