«Nachtzüge sind wieder im Trend»

Mike Jakob, Head of Sales Railtour Suisse SA, über die Zukunft der Nachtzüge.
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Nachtzüge entsprechen dem aktuellen Klimatrend. Bereits heute gibt es diverse Nachtzugverbindungen ab Zürich nach Berlin, Hamburg oder Wien. Die OeBB, welche die Nachtzüge ab der Schweiz betreibt, beschaffen 33 neu gebaute Nachtzüge, welche ab 2022 etappenweise in Einsatz kommen. Und ab Dezember 2021 gibt es eine neue Verbindung ab Zürich nach Amsterdam.  

Aber auch andere Bahngesellschaften investieren in neue Nachtzugsangebote. Diesen Sommer fuhr zum ersten Mal der Urlaubs-Express direkt von Basel auf die Insel Rügen in der Ostsee und noch bis Anfangs November 21 gibt es jede Woche eine Nachtzugsverbindung mit dem Alpen- Sylt Express auf die Insel Sylt.  

Railtour- Frantour ist Vermarktungspartner von allen wichtigen Bahngesellschaften, und entwickelt mit Online Travel zusammen weiter in die Bahn Technologie und den Dynamic Travelshop. Aktuell sind die meisten Nachzüge über den Dynamic Travelshop auch bereits buchbar.  

TRAVEL INSIDE hat mit Mike Jakob, Head of Sales Railtour Suisse SA, über das Thema Nachtzüge gesprochen. 


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Mike Jakob, nach 2000 wurde das Streckennetz für Nachtzüge von der SBB abgebaut. Wieso kam es zu der Entwicklung?

Railtour ist nicht die SBB, daher kann ich dazu nicht für die SBB sprechen. Aber vor 20 Jahren gab es eine andere Entwicklung, die Low Cost Airlines hatten ihre Höhenflüge und die Nachtzüge litten zunehmend unter schlechtem Image. Ausserdem war ein Grossteil des Wagenmaterials veraltet.

Wie sieht die Zukunft der Nachtzüge aus? Was ist jetzt anders?

Das Grundrauschen ist schon mal ganz anders. Nachtzüge sind wieder im Trend und werden auch von den Jüngeren gehypt. Klimaneutrales Reisen hat dazu wohl den Anstoss gegeben, aber nicht nur. Erdgebundenes Reisen liegt wieder mehr im Trend, und die Vorteile der Nachtzüge werden erkannt. Und das wichtigste: Es wird wieder investiert in neue Nachtzüge. Die OeBB produziert in den nächsten Jahren 33 neue Nachtzüge, welche ab 2022 etappenweise auf die Schienen kommen. Die Züge haben top Ausstattung punkto Interieur und Schlafabteile und sind nicht vergleichbar mit den früheren Nachtzügen.

Und auch das Nachtzugsnetz ab der Schweiz wird weiter ausgebaut. Ab Dezember 2021 fahren die beliebten Nightjets nach Amsterdam, 1 Jahr später nach Rom und im 2023 folgt dann Barcelona. Es gibt damit einen riesigen Schub.

Wie sehr ist Railtour hier involviert?

Wir sind mit den SBB und OeBB in Kontakt und vermarkten gemeinsam Kampagnen dazu.

Was müsste auch politisch gesehen geschehen, um die Reisen im Nachtzug als festen Bestandteil am Markt zu etablieren?

Der Nachtzug erlebt zurzeit ein berechtigtes Revival. Es werden neue Nachtzüge gebaut und neue Verbindungen sind in Planung. Wir sind überzeugt, dass der politische Wille weiterwachsen wird, das nachhaltige Transportmittel Bahn im europäischen Fernverkehr sowohl tagsüber als auch nachts zu einer starken Alternative zum Flugverkehr aufzubauen. Beim Nachtverkehr braucht es dazu sowohl staatliche Investitionshilfen als auch Preissenkungen bei den nächtlichen Trassenpreisen.

Sprechen Sie mit Nachtzugreisen ein anderes Publikum an als mit den anderen Bahnreisen in Ihrem Portfolio?

Nicht zwingend. Die Zielgruppe ist sehr durchmischt, wobei bei den Nachtzügen ein etwas jüngeres Publikum festzustellen ist.

Wie nachhaltig sind Bahnreisen – und was tut Railtour, um noch nachhaltiger zu werden?

Bahnreisen sind sehr nachhaltig. Wenn man die Strecke Zürich – Paris vergleicht, dann ist der TGV Lyria rund 20-mal nachhaltiger als das Flugzeug für die gleiche Strecke. Aber Nachhaltigkeit hört nicht am Bahnhof an der Zieldestination auf. Wir haben diverse Projekte in Planung und werden auch im Buchungstool nachhaltige Hotels sichtbar machen und weiter ausbauen. Ausserdem beteiligen wir uns an gemeinsamen Projekten innerhalb der DER Touristik Schweiz zum Thema Nachhaltigkeit.

Wie weit ist Railtour in der technologischen Entwicklung, bzw. Digitalisierung?

Unser Buchungstool «Dynamic Travelshop» von Online Travel wird permanent weiterentwickelt. In diesem Jahr haben wir beispielsweise die neusten Releases von Trenitalia und SNCF aufgeschaltet. Bei uns kann man für alle Bahnstrecken in der Schweiz und unseren Nachbarstaaten alle Tarifarten buchen, bis zum günstigsten Spartarif.

(Interview: Yannick Suter)