Kuoni und Swiss: Neue Partner (Ausgabe 2008-07)

Kuoni entledigt sich mit dem Verkauf der Edelweiss Air eines Risikos und forciert den Hotelabsatz über Swiss.com.

Bei der zwischen Swiss (LX) und Kuoni vereinbarten strategischen
Partnerschaft geht es nicht nur um den Verkauf der Edelweiss Air (EDW)
an Swiss. Ab dem 1. Januar 2009 sollen die 15000 Hotels der
Kuoni-Hoteldatenbank auch über die Swiss-Homepage vertrieben werden.
Die Hotels decken sämtliche Destinationen von LX und EDW ab, zudem sind
auch Hotels ausserhalb des Swiss-Streckennetzes buchbar. «Wir
profitieren von neuen Kunden in neuen Märkten, da Swiss.com eine
weltweit beachtete Homepage ist. Kuoni.ch ist vor allem in der Schweiz
sehr bekannt», so Stefan Leser, CEO Kuoni Schweiz.

Diese Angebote richteten sich bis jetzt ausschliesslich an Reisebüros
und TOs und können nun auch von Privatkunden genutzt werden. Auf die
Frage, ob er dazu Reaktionen aus der Reisebürobranche erwarte, meint
Leser: «Die Konsumenten wissen heute sehr gut, wie und wo sie unsere
Reisen finden. Unsere Hauptvertriebspartner sind weiterhin die
Reisebüros.»

Mit der EDW-Übernahme durch Swiss gibt es laut Kuoni-CEO Stefan Leser
kaum Änderungen. Kuoni wird auch in Zukunft der grösste Kunde der EDW
bleiben und bei Swiss Sitzplätze auf Ferienflügen von Swiss und
Edelweiss Air einkaufen. Die Sitzplatzkontingente sind im
Kooperationsvertrag geregelt, doch genaue Angaben über Kapazitäten oder
Inhalte der Verträge macht Leser nicht. Kuoni kann auch in Zukunft mit
anderen Fluggesellschaften zusammenarbeiten. Im EDW-Verwaltungsrat
hingegen wird es mit Sicherheit Veränderungen geben. Laut Leser besteht
die Möglichkeit, dass Kuoni als grösster Kunde auch einen Sitz im
Verwaltungsrat haben wird. Der EDW-Verwaltungsrat setzt sich derzeit
aus Stefan Leser (Präsident), Karl Kistler (Mitglied und Delegierter)
und Max E. Katz (Mitglied) zusammen.

Durch den Verkauf der Edelweiss Air (EDW) setzt Kuoni seine Strategie
um, nicht mehr die Eigentümerin von Anlagen wie Flugzeugen und Hotels
zu sein. Dadurch reduziert Kuoni die Risiken des Fluggeschäfts. Den
Kunden können aber weiterhin EDW-Flüge
für die meisten Kuoni-Feriendestinationen angeboten werden. Sowohl der
Online-Vertrieb von Kuoni-Hotels über Swiss.com als auch der
vertraglich bestimmte Einkauf von Sitzplätzen auf
LX- und EDW-Flügen durch Kuoni sind auf einen Zeitraum von fünf Jahren hinaus vertraglich festgelegt worden.

Für Swiss erklärt Rudolf Schumacher (Head Sales & Marketing
Switzerland) gegenüber TI, inwiefern sich die Kooperation auf LX
positiv auswirken wird: «Swiss hat limitierte Wachstumsmöglichkeiten im
Leisure-Markt aufgrund limitierter Flugzeugverfügbarkeiten. Mit EDW
bietet Swiss – nach Zustimmung der zuständigen Behörden – deutlich mehr
Destinationen an. Anstatt heute gut 70 Destinationen können so rund 100
Destinationen angeboten werden.» Die EDW-Flüge werden aber laut
Schumacher auch in Zukunft mit EDW-Codes versehen sein. Eine weitere
positive Auswirkung für Swiss ist, dass sich ihr Jahresumsatz im
Leisure-Bereich von rund CHF 120 Millionen  (TI-Schätzung) durch
den zusätzlichen EDW-Umsatz von CHF 200 Millionen mehr als verdoppelt.

In schwächeren Ferienflugzeiten könnte sich Schumacher durchaus
vorstellen, in einzelnen Fällen auf die Unterstützung von EDW-Maschinen
zurückzugreifen: «Wie schon heute, könnte EDW auch in Zukunft
vereinzelte Flüge auf Wetlease-Basis für Swiss durchführen. Es ist
jedoch nicht vorgesehen, dass EDW-Flugzeuge fix in den Swiss-Flugplan
integriert werden.»

Grosses Synergiepotenzial sieht man bei Swiss insbesondere beim
Einkauf, zum Beispiel Treibstoff, bei der Flugzeugwartung, dem Ground
Handling und bei Versicherungen. «EDW kann hier künftig von den
besseren Swiss-Konditionen profitieren. In gewissen Bereichen hat der
Flugbetrieb von EDW auch tiefere Kosten. Insgesamt sind Synergien in
Millionenhöhe möglich», so Schumacher. Zum heutigen Zeitpunkt wolle man
sich jedoch nicht auf einen Betrag festlegen.

Simon Benz